Infektionen des Genitaltraktes

Infektionen des Genitaltraktes

Allgemeines

Genitale und urogenitale Infektionen kommen sowohl bei Frauen als auch bei Männern häufig vor. Unerkannt können sie zu Infertilität führen. In der Schwangerschaft verursachen sie unbehandelt häufig Frühgeburtlichkeit, Totgeburt oder Folgeschäden beim Fetus oder Neugeborenen.

Indikation

Bei gynäkologischen Infektionen werden Erkrankungen der äußeren und der inneren Genitale unterschieden.

  • Vulvitis
  • Bartholinitis
  • Vaginitis / Kolpitis
  • Zervizitis
  • Endometritis
  • Adnexitis
  • Urethritis
  • Prostatitis
  • Epididymitis
  • Orchitis

Material und Lagerung

  • Je nach Infektionslokalisation werden Abstriche von Urethralsekret, Prostatasekret oder Ejakulat beim Mann untersucht, bei Frauen Urethral- und Vaginalsekret, sowie Zervixsekret.
  • Optimal bei Raumtemperatur und Transport innerhalb von 6h
  • Bei längerer Wartezeit gekühlt bei 2-8°C

Untersuchungsauftrag

  • Erreger und Resistenzbestimmung
  • Bei Verdacht auf Pilze dies bitte gesondert anfordern

Testhäufigkeit / Analysedauer

  • Der kulturelle Ansatz erfolgt täglich
  • Ein Endbefund erfolgt in der Regel nach 48h

Referenzbereich

Die Kenntnis der mikrobiologischen Flora des weiblichen und männlichen Genitaltraktes ist für die Beurteilung der ätiologischen Relevanz pathogener sowie fakultativ pathogener Erreger bei Fehlbesiedlung oder Infektion des Genitaltraktes von Bedeutung. Eine Unterscheidung zwischen pathogenen und nicht-pathogenen Keimen ist nicht immer eindeutig zu treffen und hängt von zahlreichen Faktoren wie Keimzahl, Wirtsfaktoren und lokalen Konditionen ab.

  • Im Genitaltrakt der Frau weisen Portio und Vagina eine bakterielle Besiedlung auf, während Bartholinische- und Skenesche-Drüsen sowie Uterus normalerweise steril sind. Als eindeutig apathogen gelten Laktobazillen, als pathogen gelten A-Streptokokken, Staphylokokkus aureus und sexuell übertragbare Erreger.
  • Der obere Genitaltrakt des gesunden Mannes ist in der Regel keimfrei. Koagulase-negative Staphylokokken und Streptokokken der Viridans-Gruppe gelten als eindeutig apathogen. Zu den fakultativ pathogenen Erregern zählen Enterokokken, Enterobacteriaceae und Ureaplasmen. Als eindeutig pathogen gelten sexuell übertragbare Erreger, wie z.Bsp. Gonokokken und Chlamydien.

Methode

  • Kulturelle Anzucht auf speziellen Nährmedien
  • Massenspektrometrische oder biochemische Identifizierung
  • Empfindlichkeitsprüfung nach EUCAST und NAK

Grenzen des Verfahrens

  • Um ein relevantes Bild der Vielfalt und Menge der Mikroorganismen in den betroffenen, meist schon physiologischen weisen besiedelten Strukturen zu gewährleisten, soll die Kulturanlage unmittelbar nach der Abnahme erfolgen.
  • Die Menge des Patientenmaterials, sowie die Abnahmetechnik haben Einfluss auf die Nachweissensitivität.
  • Bei zu langer Lagerung können einige Gattungen ihre Vermehrungsfähigkeit verlieren und so nicht mehr kulturell nachweisbar sein.

Weiterführende Untersuchungen

Meldepflicht

  • Es besteht eine Meldepflicht für Neisseria gonorrhoeae

Literatur und Arbeitsanweisungen

  • MiQ 10 2011
  • SA-MI-GRAMN Version D
  • SA-MI-GRAMP Version E
  • SA-MI-RES Version L
  • SA-MI- PILZE Version D
  • SA-MI-ANAERO Version E

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