Yersinien – Immunoblot

Yersinien – Immunoblot

Themenübersicht

Allgemeines

  • Der Yersinien – Immunoblot dient der qualitativen Bestimmung von Antikörpern der Immunglobulinklasse IgG und IgA gegen Virulenzfaktoren pathogener Yersinia enterocolitica-Stämme zum Nachweis von postinfektösen Erkrankungen.
  • Humanpathogene Yersinia enterocolitica-Stämme besitzen ein Plasmid mit einer Größe von etwa 70 Kilobasenpaaren. Auf diesem Plasmid sind wichtige Virulenz- oder Pathogenitätsfaktoren codiert. Unter Kalziummangelbedingungen werden einige dieser Virulenzfaktoren in das Wachstumsmedium sezerniert. Diese Virulenzfaktoren werden als „Yersinia outer membrane proteins (Yop)“ oder auch als „release proteins (RP)“ bezeichnet. Besonderes Merkmal dieser Virulenzfaktoren ist, dass sie Yersinia-spezifisch sind und noch bei keinem anderen Bakterium nachgewiesen werden konnten.
  • Humanpathogene Yersinia enterocolitica-Stämme (O:3, O:8, O:9, O:5,27 usw.) tragen hingegen immer ein Virulenzplasmid. Die auf diesem Plasmid codierten Virulenzfaktoren zeigen in Abhängigkeit vom Yersinia enterocolitica-Stamm geringfügige Unterschiede in ihren Molekulargewichten. Charakteristisch ist jedoch die hohe Kreuzreaktivität der Virulenzfaktoren innerhalb der Gruppe der humanpathogenen Stämme. Somit ist auch bei Verwendung der Virulenzfaktoren eines pathogenen Stammes die Spezifität und Sensitivität des Nachweises von Antikörpern gegen Virulenzfaktoren eines anderen pathogenen Stammes gesichert.
  • Als Antigenquelle für den Yersinien-Immunoblot zum Nachweis von Antikörpern gegen die Virulenzfaktoren von Yersinia enterocolitica dienen gereinigte Virulenzfaktoren von Yersinia enterocolitica O:3.
  • Hauptverursacher von Infektionen mit Y. enterocolitica sind die Serovare O:3, O:9, O:5,27 und O:8, die hauptsächlich in der USA vorkommen. In Europa ist in etwa 75 % der Fälle der Stamm O:3 (Biovar 4) und in etwa 20 % der Fälle der Stamm O:9 (Biovar 2) für eine Y. enterocolitica-Infektion verantwortlich.
  • Die häufigste Übertragung auf den Menschen findet jedoch durch den Genuss von infizierten Lebensmitteln statt, insbesondere von nicht erhitzten tierischen Produkten, wie rohem Schweinefleisch oder Rohmilch. Y. enterocolitica ist weltweit in tierischen Reservoiren zu finden. Die Übertragung erfolgt durch direkte Erreger-Aufnahme. Überträger auf den Menschen sind oft Nagetiere, insbesondere Ratten.

Indikation

Verdacht auf:

  1. Enterale Yersiniose (Yersinia enterocolitica-Enteritis):
    • Mesenteriale Lymphadenitis
    • Bauchschmerzen
    • Fieber
    • Durchfall
    • Pseudoappendizitis
    • Pseudo-Crohn
  2. Extramesenteriale Yersiniose:
    • bevorzugt bei
      • Diabetes mellitus
      • Immunsuppression
      • Tumorerkrankungen
      • Leberzirhose
      • Hämosiderosen
        • Hämochromatose
        • hämolytische Anämie
        • Thalassämie
    • fokale septische Manifestationen
    • generalisierte Manifestationen
  3. Yersinien-induzierte Arthritis (Reaktive Arthritits bei Yersiniose, Arhthritis yersiniosa):
    • aseptische Gelenkpunktion
    • 1-3 Wochen nach Infektion kommt es zur Arthritis, ähnlich der Rheumatoiden Arthritis
    • Morbus Reiter = urethro-okulo-artikuläres Syndrom
    • HLA-B27-Positivität in 60-80% der Fälle
    • Ausheilung nach 3-12 Monaten
    • in der überweigenden Zahl der Fälle entwickelt sich eine chronische oder eine rezidivierende Form mit fortschreitenden Gelenksdestruktionen.
  4. Yersinien-assoziiertes Erythema nodosum:
    • Pannikulitis mit Fieber
    • 4-6 Wochen nach einer vorausgegangenen akuten Yersinien-Infektion, insbesondere bei weiblichen Patienten

Material

Serum-Gel-Röhrchen

  • 1 ml Serum
  • alternativ können EDTA-, Heparin- oder Citrat-Plasma-Röhrchen verwendet werden.
Stabilität
2-8 °C
14 Tage

Durchführung

Durchführungsort/-orte:

MZLA - Standort Altenburg

Referenzbereich

negativ

Beurteilung der Ergebnisse

Meldepflicht:

Bei positivem Nachweis erfolgt eine namentliche Meldung an das Gesundheitsamt, sofern der direkte oder indirekte Nachweis auf eine akute Infektion hinweist.

Meldepflicht bundesweit (§§ 6, 7 IfSG; IfSG-Meldepflicht-Anpassungsverordnung) bei darmpathogenen Stämmen. Da dieser Test Antikörper gegen Virulenzfaktoren pathogener Yersinia enterocolitica-Stämme nachweist, sind positive Ergebnisse meldepflichtig.

  • Nach Kontakt mit den Virulenzfaktoren von Yersinia enterocolitica können in der Frühphase Antikörper der Klasse IgA, IgG und IgM im Serum detektiert werden. Nach einigen Monaten sinken die IgA und IgM Titer ab.
  • Antikörper der Klasse IgG persistieren in der Regel länger und können auch noch über 12 Monate nach dem Kontakt im Serum nachgewiesen werden.
  • Bei chronischen Krankheitsverläufen und immunpathologischen Komplikationen können Antikörper der Klasse IgG und auch IgA länger im Serum detektierbar bleiben.

Grenzen des Verfahrens

Kreuzreaktivität:

  • Da bei diesem Testsystem ausschließlich spezifische Antigene (aufgereinigte Virulenzfaktoren von Yersinia enterocolitica) für den Antikörpernachweis verwendet werden, ist die Bestimmung der Kreuzreaktivität bei Westernblots nicht notwendig.

Sensitivität/Spezifität:

  • 100% Übereinstimmung mit 26 klinisch und/oder serologisch vorcharakterisierten Seren.

Weiterführende Untersuchungen

Literatur

  • Herstellerangaben
  • Tauxe, uptodate, Clinical manifestations and diagnosis of Yersinia infections, Zugriff am 13.10.2020
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Material
Literatur