Thallium im Urin

Thallium im Urin

Themenübersicht

Allgemeines

  • Obwohl in Deutschland verboten ist Thallium ein hoch effektives, jedoch sehr toxisches Nagergift (Pestizid/Rodentizid).
  • Bei Verdacht auf eine Thallium-Vergiftung sollte immer eine Bestimmung in möglichst vielen Körper-Materialien erfolgen (siehe Weiterführende Untersuchungen) .
  • Als Pestizid ist es ein geschmack- und geruchsloses granuläres Pulver.
  • Thallium wird sowohl bei Kontakt über die Haut, inhalativ als auch oral sehr gut aufgenommen.
  • Die Einnahme von nur 8 mg / kg hat beim Menschen zum Tod geführt.
  • Trotz der seltenen Verwendung als Rodentizid treten weltweit jährlich Thalliumvergiftungen auf. Sie werden normalerweise durch versehentliche Kontamination von Getreide oder Reis, absichtliche tödliche Verfälschung von Lebensmitteln und berufliche Exposition verursacht. Die Toxizität von Thalliumsulfat (und anderen anorganischen Thalliumsalzen) beruht auf seiner Verdrängung von Kalium in Enzymsystemen und Ionenkanälen, was zu einer globalen Störung der zellulären Energieerzeugung führt.
  • Klinische Manifestationen einer Thallium-Vergiftung:
    • Frühe Zeichen (bis 48 Stunden):
      • Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Durchfall innerhalb von Stunden nach Ingestion
      • Tachykardie, Bluthochdruck und Brustschmerzen
    • Intermediäre Zeichen:
      • schmerzhafteste Parästhesien (als ob Socken- und Handschuhe getragen werden)
      • Hirnnervenausfälle (Ptosis, Nystagmus)
      • Opticus Neuritis
      • Ataxie
      • Choreoathetose
      • Cognitive und mnestische Defizite
      • Psychose
      • Lethargie & Coma
      • Alopezie
      • seltener:
        • akutes Nieren-/Leberversagen
        • Anämie
        • Thrombozytopenie
    • Spätzeichen:
      • Erblindung
        • Opticusatrophie
        • zentrale Scotomata
        • Katarakt
        • „Blaues Sehen“
  • Vergiftungsopfer können Wochen nach der Exposition an einem plötzlichen Herztod oder einem Versagen mehrerer Organe sterben

Indikation

  • Thalliumvergiftung z.B. durch Aufnahme von Ratten- oder Taubengift

Material

Spontan-/Mittelstrahlurin

  • 10 ml Urin

Durchführung

Durchführungsort/-orte:

Partnerlabor

Referenzbereich

< 0.70 µg/l

Beurteilung der Ergebnisse

  • Das Management der Thalliumvergiftung basiert auf Fallberichten und Fallserien. Klinikern, die Patienten mit Thalliumvergiftung behandeln, wird empfohlen, ein regionales Giftinformationszentrum oder einen medizinischen Toxikologen zu konsultieren.

Weiterführende Untersuchungen

  • Abdomen-Röntgendiagnostik – Thallium ist röntgendicht
  • Thallium im Vollblut – Bei Verdacht auf Thallium-Vergiftung sollte immer eine Bestimmung in Urin und Blut erfolgen.
  • Thallium im Haar

Literatur

  • Calello, uptodate, Overview of rodenticide poisoning, Zugriff: 09.09.2020
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