Renin im EDTA-Plasma

Renin im EDTA-Plasma

Themenübersicht

Allgemeines

  • Die Bestimmung vom Plasma-Renin ist bei therapieresistenter Hypertonie indiziert – meist zusammen mit Aldosteron als Aldosteron-Renin-Quotienten (ARQ)
  • Wir bestimmen die direkte Renin-Konzentration (DRC) im Gegensatz zur Plasma-Renin-Aktivität (PRA)
  • Das proteolytische Enzym Renin (Molekulargewicht ca. 42 kDa) wird hauptsächlich von den Juxtaglomerularzellen der Nieren als Prorenin synthetisiert und wird in der Granula als Prorenin oder Renin gespeichert. Die Freisetzung von Renin erfolgt auf physiologische Stimulation wie Blutvolumen- oder Arteriendruckverminderung und Natriumverlust.
  • Die inaktive Vorstufe von Renin ist Prorenin. Ein Teil des Prorenins wird nicht proteolytisch gespalten und wird als Prorenin in den Kreislauf freigesetzt.
  • Prorenin kann auf verschiedene Weisen aktiviert werden, wie z.B. durch Kälte-Aktivierung, Säuerung oder Teilproteolyse. Die Sekretion von Prorenin ist nicht strikt geregelt, während die Sekretion von Renin streng kontrolliert wird. Die Prorenin-Blutkonzentration ist ungefähr zehnfach größer als die Renin-Blutkonzentration.
  • Renin katalysiert die Bildung von Angiotensin I  durch proteolytische Spaltung von Angiotensinogen, dem Renin-Substrat, ein in der Leber synthetisiertes Glykoprotein. Das Angiotensin Converting Enzyme (ACE) verwandelt Angiotensin I in Angiotensin II, ein Oktapeptid, das die Sekretion von Aldosteron stimuliert und die Sekretion von Renin mittels einer negativen Rückkopplung inhibiert.
  • Das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) hat eine wichtige Rolle in der Wasser-Homeostase und dem Elektrolytengleichgewicht, sowie bei der Regulierung des Arteriendrucks. Die Messung von Plasma-Renin und -Aldosteron wird daher als guter Index für die Aktivität des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems betrachtet.
  • Eine Zunahme der Schilddrüsenhormone (Hyperthyroidismus), der Östrogene (orale Verhütungsmittel, Schwangerschaft) sowie der Glukokortikoide (Cushing Syndrom, Kortikotherapie) führen zu einer Erhöhung des Renin-Substrat-Niveaus.
  • Renin wird von den Nieren als Antwort auf eine Verminderung der Nierenarterienperfusion (intrarenaler Barozeptor), auf die Verminderung der distalen tubulären Resorption von Natriumionen (Natriumverlust), auf Hypokaliämie oder auf die Stimulation der β-adrenergischen Rezeptoren sekretiert. Außerdem ist die Renin-Sekretion durch negative Rückkopplung in Anwesenheit von hohen Plasmakonzentrationen von Angiotensin II vermindert.

Indikation

Zur initialen Diagnostik:

  • Hypertonie und Hypokaliämie
  • Therapieresistente Hypertonie (≥3 Medikamente)
  • Adrenales Inzidentalom
  • Arterielle Hypertonie bei jüngeren Patienten (z. B. < 30 Jahre)
  • Schwere Hypertonie (≥150 mmHg systolisch oder ≥10 mmHg diastolischer Blutdruck)
  • Vd. primärer oder sekundärer Hyperaldosteronismus

Als Verlaufskontrolle:

  • Bei primärem Hyperaldosteronismus unter medikamentöser Therapie ist ein nachweisbares Renin mit einem besseren Überleben und weniger kardiovaskulären Ereignissen assoziiert.

Material

EDTA-Röhrchen

  • 1 ml EDTA-Plasma ist das einzige validierte Probenmaterial.
  • Die Anwendung von Serum und mit Heparin oder Zitrat erhaltenem Plasma ergibt niedrigere Renin-Werte und wird daher nicht empfohlen.
  • Die Entnahme von nüchternen Patienten wird empfohlen, ist aber nicht notwendig.
  • Medikamenteninteraktionen beachten!
  • Die Uhrzeit und die Position des Patienten (liegend, stehend, sitzend) aufzeichnen.
  • Die EDTA enthaltenden Röhrchen für die Entnahme nicht vorkühlen und nicht in ein Eisbad stellen, sondern das Blut bei Raumtemperatur behandeln.
  • Proben zeitnah ins Labor bringen oder sofort nach Entnahme bei Raumtemperatur zentrifugieren.
Stabilität
20-25 °C
6 Stunden
2-8 °C
Minuten
-20 °C
abgetrenntes Plasma: Wochen (Schätzung)

Durchführung

Durchführungsort/-orte:

MZLA - Standort Altenburg
Durchführungsfrequenz
werktags
alle drei Tage
an anderen Tagen
nein

Referenzbereich

1.67 – 27.8 pg/ml (2.78 – 46.3 µU/ml)

Beurteilung der Ergebnisse

Faktoren, die Renin beeinflussen:
  • Salz-Zufuhr – Renin steigt bei eingeschränkter Salz-Zufuhr und wird durch hohe Kochsalz-Zufuhr supprimiert
  • Alter – Der Reninspiegel sinkt allmählich, wenn die Nierenfunktion abnimmt
  • Geschlecht, Menstruationsphase und Schwangerschaft – Die Reninspiegel sind in der Lutealphase des Menstruationszyklus und während der Schwangerschaft höher, was teilweise auf die Mineralocorticoid-Antagonistenaktivität von Progesteron zurückzuführen ist (hohe Progesteronkonzentrationen wirken der Aldosteronwirkung am Mineralocorticoid entgegen) Rezeptor). Der Anstieg der Plasma-Reninaktivität während der Lutealphase scheint größer zu sein als der für die direkte Reninkonzentration, wahrscheinlich weil der späte follikuläre Anstieg des Östrogens zu einem anhaltenden Anstieg des Reninsubstrats (Angiotensinogen) führt, der in der Lutealphase bestehen bleibt, was zu einem höheren Angiotensin I und führt II, was wiederum zu einer verringerten Reninenzymproduktion durch negative Rückkopplung führt. Menstruierende Frauen haben im Vergleich zu altersentsprechenden Männern niedrigere Reninspiegel während der Menstruation und der follikulären (aber nicht lutealen) Phase des Menstruationszyklus.
  • Tageszeit – Die Reninwerte zeigen einen Tagesrhythmus, der am frühen Morgen nach dem Aufwachen am höchsten ist und während des Tages allmählich abfällt.
  • Körperposition – Nach der Annahme einer aufrechten Haltung ist die Translokation von Blut in die unteren Extremitäten mit einem Anstieg des Renins verbunden, das aus juxtaglomerulären Zellen als Reaktion auf einen Abfall des Nierenperfusionsdrucks und einen Anstieg des sympathischen Outputs und der Stimulation des beta-adrenergen Rezeptors freigesetzt wird.
  • Medikamente:
    • Erhöhung durch:
      • Diuretika
      • Spironolacton
      • Dihydropyridin-Kalzium-Antagonisten
      • ACE-Hemmer
      • AT-Rezeptor-Antagonisten
    • Erniedrigung durch:
      • Beta-Blocker
      • Clonidin
      • Alpha-Methyldopa
      • NSAR
  • Chronische Nierenerkrankung – Bei chronischen Nierenerkrankungen ist die renale Reninproduktionskapazität verringert, und die Salzretention trägt zur Reninunterdrückung bei.
  • Rasse – Der Reninspiegel ist bei schwarzen Probanden niedriger als bei weißen
Erhöhte Renin-Werte bei:
  • sekundärem Hyperaldosteronismus (Nierenarterienstenose, Renin-produzierende Nierentumoren)
  • primärer Nebennierenrindeninsuffizienz (M. Addison),
  • Bartter-Syndrom
  • Gitelman-Syndrom
  • ektoper Produktion
  • Zuständen mit Hypovolämie und Hyponatriämie
    • Leberzirrhose
    • Herzversagen
    • Nephrotisches Syndrom
  • Hypokaliämie
  • Medikamenteneinnahme: Glucocorticoide, ACE-Hemmer, Diuretika
  • in der 2. Zyklushälfte und in der Schwangerschaft

Normale Renin-Werte bei:

  • Sekundärer Nebenniereninsuffizienz (Hypopituitarismus oder isolierter ACTH-Mangel)
  • Cushing-Syndrom – Renin kann aber bei hochgradigem Hypercortisolismus erniedrigt sein.
  • Primärer Hyperaldosteronismus unter suffizienter medikamentöser Therapie (z. B. Spironolacton)
Erniedrigte Renin-Werte bei:
  • ungenügend therapiertem primärem Hyperaldosteronismus (Conn-Syndrom)
  • Mineralocor­ticoid-Exzess
  • Medikamenteneinnahme: Beta-Blocker, Vasopressin (ADH), NSAR
  • Kongenitaler Nebennieren-Hyperplasie mit 17-Hydroxylase-Mangel
  • Liddle-Syndrom

Grenzen des Verfahrens

  • Die Prorenin-Blutkonzentration ist ungefähr zehnfach höher als die von Renin. Durch Kryoaktivierung kann es zur Bildung von aktivem Prorenin kommen, das der Test genauso wie Renin erkennt. Somit kann es zu falsch hohen Renin-Konzentrationen kommen. Die Präanalytik ist also so zu gestalten, dass der Temperaturbereich von 2 bis 8 °C (Kryoaktivierung) vermieden wird.

     

Weiterführende Untersuchungen

Literatur

  • Herstellerangaben Renin-Bestimmung
  • Thomas, Labor & Diagnose 2020
  • Stowasser, Michael, Lab Interpretation: Low renin (PRA or PRC) and high (or inappropriately normal) aldosterone in adults, uptodate
  • Stowasser, Michael, Assays of the renin-angiotensin-aldosterone system in adrenal disease, uptodate
  • Campbell et al, 2009, Clinical Chemistry, activity Assays and Immunoassays for Plasma Renin and Prorenin: Information Provided and Precautions Necessary for Accurate Measurement
  • Calhoun, 2018, Medical Versus Surgical Treatment of Primary Aldosteronism, Hypertension
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Literatur