Quantiferon

Themenübersicht

Allgemeines

Quantiferon© ist ein indirekter Bluttest auf Infektionen mit Mykobacterium tuberculosis. Bluteigene Lymphozyten werden in mit Oberflächenantigenen von Tuberkulose-Bakterien beschichteten Röhrchen zur Bildung von Interferon (IFN)-γ angeregt (IGRA). Anhand der Reaktion können eine aktive oder latente Tuberkulose-Infektion nachgewiesen werden.

Indikation

  • Nachweis einer Infektion mit M. tuberculosis-Komplex
  • Umgebungsuntersuchungen von Patienten mit aktiver Tuberkulose
  • Ausschluss einer latenten Infektion vor eingreifenden immunsuppressiven Behandlungen (z. B. mit Anti-TNF-Antikörpern, Transplantation) (GOP 32670)
  • Vor Einleitung einer Dialysebehandlung bei chronischer Niereninsuffizienz (GOP 32670)
  • Bei HIV-Infektion zur Therapieentscheidung hinsichtlich einer MTB-Komplex-Infektion (GOP 32670)

Material

Sarstedt Lithium-Heparin-Monovette 7,5 ml
BD Lithium-Heparin-Vacutainer 10,0 ml
QuantiFERON-Quartett
  • 6 ml Lithium-Heparin-Blut
    • Röhrchen mit Gel dürfen nicht zentrifugiert werden!
  • 4 Quantiferon-Röhrchen (je 1 ml):
    • QuantiFERON Nil (graue Kappe)
    • QuantiFERON TB1 (grüne Kappe)
    • QuantiFERON TB2 (gelbe Kappe)
    • QuantiFERON Mitogen (lila-farbene Kappe)
Stabilität
Raumtemperatur
16 Stunden

Ansatz- / Messzeiten

täglich / 2 x wöchentlich

Referenzbereich

negativ

Beurteilung der Ergebnisse

Negatives Testergebnis:

  • Bleibt nach TB-Antigenkontakt (TB1 & TB2) eine IFN-γ-Produktion aus, so liegen keine TB-reaktiven T-Lymphozyten vor und es gibt keinen Hinweis auf eine Infektion mit M.  tuberculosis .

Positives Testergebnis:

  • Ein positives Testergebnis weist auf eine frühere Infektion mit M. tuberculosis hin. Eine Unterscheidung zwischen der häufigeren latenten oder der selteneren aktiven Tuberkulose ist mit einem IGRA-Test jedoch nicht möglich. Ob jemand mit einer latenten Infektion eine aktive Tuberkulose entwickeln wird, kann mit dem Test auch nicht vorhergesagt werden. Ein positives Ergebnis im IGRA sollte durch weitere medizinische und diagnostische Untersuchungen abgeklärt werden, um zu bestimmen, ob eine aktive Tuberkulose-Erkrankung vorliegt (z. B. durch Abstrich und Kultur, Röntgen-Thorax).
  • Die Erkrankung und der Tod an einer behandlungsbedürftigen Tuberkulose, auch wenn ein bakteriologischer Nachweis nicht vorliegt, sind nach dem Infektionsschutzgesetz durch den behandelnden Arzt bzw. das betreuende Labor meldepflichtig. Ein positives Ergebnis im Quantiferontest bedeutet nicht unbedingt, dass eine behandlungsbedürftige Tuberkulose vorliegt (s. u.: Grenzen des Verfahrens und Weiterführende Untersuchungen)

Unschlüssiges Testergebnis:

  • Unschlüssige Ergebnisse können bei Immunsuppression, massiver Lymphopenie oder einer verlängerten Frist zwischen Blutentnahme und Eingang im Labor von über 12 Stunden auftreten: Oft ist dann keine Immunantwort der T-Zellen zu messen, so dass der Test nicht aussagekräftig hinsichtlich des Vorliegens einer M. tuberculosis-Infektion ist.

Grenzen des Verfahrens

  • Die Entwicklung der zellulären Immunreaktion auf eine Tuberkuloseinfektion benötigt etwa 2 Monate. Nach Infektion wird der IGRA erst nach dieser Zeit positiv.
  • Zwar kommen ESAT-6 und CFP-10 nicht in den BCG-Stämmen oder den meisten bekannten nicht-tuberkulösen Mykobakterien vor, ein positives Ergebnis im Quantiferon®-Test könnte aber theoretisch auf eine Infektion mit M. kansasii, M. szulgai oder M. marinum zurückzuführen sein. Deshalb werden immer weiterführende Testmethoden durchgeführt, um die Mykobakterienspezies zu identifizieren.
  • Eine anamnestische BCG-Impfung ruft kein positives Ergebnis im QuantiFERON®-hervor.
  • Der Nachweis einer Immunantwort über einen IGRA ist für den sicheren Nachweis oder Ausschluss einer aktiven Tuberkulose nicht ausreichend und sollte nicht zur Diagnostik einer aktiven Tuberkulose verwendet werden:
    • Etwa 20% der Patienten mit aktiver Tuberkulose reagieren nicht im THT oder IGRA

Weiterführende Untersuchungen

Als alleinige Untersuchung ist der IGRA Quantiferon® nicht geeignet, eine Tuberkulose sicher zu beweisen oder auszuschließen. Die Diagnose einer Tuberkulose wird durch den Nachweis der Erreger mit mikroskopischen, kulturellen oder molekularbiologischen Verfahren sichergestellt5.

Mikroskopie
Die mikroskopische Untersuchung des Sputums kommt bei Tuberkuloseverdacht im Rahmen der Erstuntersuchung immer zur Anwendung. Durch sie können sehr schnell die hochinfektiösen (da mikroskopisch positiven) Patienten erkannt werden. Als Methoden stehen die lichtmikroskopische Ziehl-Neelsen-Färbung und die fluoreszenzmikroskopische Auramin-Färbung zur Verfügung. Es kann jedoch nicht zwischen vermehrungsfähigen und -unfähigen oder nichttuberkulösen (NTM) und tuberkulösen Mykobakterien (MTB-Komplex) unterschieden werden.

Kultur
Die kulturelle Untersuchung ist der „Goldstandard“ des Erregernachweises und wird mit Hilfe einer Flüssig- (MGIT) und zweier Festkulturen (Löwenstein-Jensen- & Stonebrink-Schrägagar) durchgeführt. Wachstum von Tuberkulosebakterien in einer Kultur beweist das Vorliegen einer Tuberkulose. Kulturell positive Proben versenden wir in das Nationale Referenzzentrum für Mykobakterien in Borstel bei Hamburg zur weiteren Speziesidentifizierung und Resistenztestung.

Molekularbiologische Nachweismethoden
Bei mikroskopisch positiven Patienten kann mittels PCR nachgewiesen werden, ob tuberkulöse oder nichtuberkulöse Mykobakterien vorliegen. Eine negative PCR aus einem mikroskopisch positiven Untersuchungsmaterial weist somit auf eine Infektion mit NTM hin. Bei mikroskopisch negativen Proben ist die diagnostische Sensitivität geringer.

Methode

Interferon-Gamma-Freisetzungs-Assay (IGRA)

Methodenbeschreibung

In Arztpraxen oder im Krankenhaus entnommenes Lithium-Heparin-Vollblut wird im Labor in vier Röhrchen überführt und 24h bebrütet: Ein Röhrchen dient als Negativkontrolle. Die Röhrchen TB1 und TB2 sind mit den MTB-Komplex assoziierten Antigenen ESAT-6 und CFP-10 beschichtet und induzieren in MTB-spezifischen CD4+ und CD8+ T-Zellen eine IFN-γ-Freisetzung. Im Mitogen-Röhrchen werden alle vorhandenen immunkompetenten Lymphozyten durch unspezifische Aktivatoren stimuliert.

Literatur

  • RKI: Ratgeber Tuberkulose
  • RKI: Epidemiologische Bulletin Nr. 11/12
  • QuantiFERON-TB Gold Plus (QFT-Plus) ELISA Packungsbeilage 03/2018
  • Renshaw et al. (2005) The EMBO Journal: Solution structure of the CFP-10 ESAT-6 complex
  • Schaberg et al. (2017) S2k-Leitlinie: Tuberkulose im Erwachsenenalter
  • Diel et al. (2009) Pneumologie
  • Seester et al. (2011) Eur Respir J
Stand: 01.11.2019
Übersicht
Allgemeines
Beurteilung
Methode
Literatur