Erythropoietin

Allgemeines

  • Erythropoietin, kurz EPO, ist ein Gykoprotein-Hormon, das die Bildung der Erythrozyten aus Vorgängerzellen im Knochenmark steuert.
  • Beim Erwachsenen wird Erythropoetin zu 90% in der Niere (in den peritubulären Fibroblasten) gebildet; zu 10% in der Leber − beim Feten ist das Verhältnis praktisch umgekehrt.
  • Stimulus für die Produktion von Erythropoietin ist der verminderte Sauerstoffpartialdruck in den Nierenarterien. Dadurch wird die α-Untereinheit des Hypoxie-induzierten Faktors (HIF) vom Zytoplasma in den Zellkern der EPO-exprimierenden Zellen verlagert und die Genexpression von Erythropoietin gesteigert.

Indikation

  • Unklare normozytäre Anämie
  • Verdacht auf renale Anämie
  • Ausgangswert vor einer Anämiebehandlung mit rekombinanten humanen Erythropoietin z.B. bei Dialysepatienten
  • bei Nierenzellkarzinom oder Leberzellkarzinom

Material

Sarstedt Serum-Gel-Monovette 7,5 ml
BD Serum-Gel-Vacutainer 8,5 ml
  • 1 ml Serum
  • Es gibt mehrere Berichte in der Literatur über tageszeitliche Schwankungen bei Erythropoietin.
  • Es ist wichtig, die Proben jeweils zu einem festgesetzten Zeitpunkt abzunehmen.
  • Es wird empfohlen, die Proben morgens zwischen 07:30 Uhr und 12:00 Uhr zu gewinnen.
  • EDTA kann nicht als Antikoagulans verwendet werden.
Stabilität
2 – 8°C
7 Tage
-20°C
2 Monate

Ansatz- / Messzeiten

wöchentlich

Referenzbereich

Erythropoietin
Männer/Frauen:
5.4 – 31.0 mIU/ml

Beurteilung der Ergebnisse

Bei Anämie:

  • erhöhte Werte sprechen für eine primäre Anämie:
    • Blutverlust
    • Eisenmangel
    • Hämoglobinopathien
    • sekundäre Anämie + zystische Nieren oder virale Hepatitis
  • nicht erhöhte Werte sprechen für eine sekundäre Anämie:
    • Anämie der chronischen Erkrankung
    • renale Anämie

Bei Polyglobulie:

  • Werte unterhalb des Referenzbereichs sprechen eher für primäre Polyglobulie
    • Polycythämia vera
    • Nierenzellkarzinom
    • benigne Nierenerkrankungen
      • Zysten
      • Stenosen der Nierenarterien
    • Z. n. Nierentransplantation

Grenzen des Verfahrens

  • Bei Patienten mit gleichem Hämatokritwert kann der EPO-Spiegel um einen Fator zehn variieren.
  • Zur Differentialdiagnose der Polycythaemie muss die Überschneidung der Werte für die Erythrozytose oder für die Polycythaemia vera mit dem Referenzbereich beachtet werden.

Weiterführende Untersuchungen

  • Retikulozyten
  • Thomas-Blot
  • Ferritin
  • Vitamin-B12
  • Folsäure
  • kleines Blutbild

Methode

Festphasen-Chemilumineszenz (CLIA)

Methodenbeschreibung

Die Festphase (Kugel) ist mit Anti-Ligand auf Streptavidinbasis beschichtet. Die Flüssigphase besteht aus Ligand-markiertem monoklonalem Anti-EPO-Antikörper aus der Maus und alkalischer Phosphatase (Rinderkalbdarm) konjugiert an einen monoklonalen Anti-EPO-Antikörper aus der Maus.

Die Patientenprobe und das Reagenz werden zusammen mit der beschichteten Kugel 30 Minuten lang inkubiert. In dieser Zeit bindet sich EPO aus der Probe an den Ligand-markierten monoklonalen Anti-EPO-Antikörper der Muas, sodass ein Sandwich-Komplex entsteht. Der Immunkomplex wird wiederum über den biotinylierten Anti-EPO-Antikörper vom Streptavidin auf der Kugel gebunden.

Ungebundenes Enzymkonjugat wird durch einen zentrifugalen Waschnritt entfernt. Abschließend wird der Testeinheit, die die Kugel enthält, Chemilumineszenzsubstrat hinzugefügt, und ein Signal im Verhältnis zum gebundenen Enzym erzeugt.

Literatur

  • Immulite 1000 EPO
  • Laborlexikon, Gressner. 3. Auflage 2018
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