Calcium, gesamt im Serum

Calcium, gesamt im Serum

Themenübersicht

Allgemeines

  • Der Gesamt-Calcium-Spiegel im Serum setzt sich sowohl aus dem ionisiertem Calcium als auch dem proteingebundenen Calcium zusammen.
  • Calcium ist das im Körper am häufigsten vorkommende Mineral. Etwa 99 % sind in den Knochen als Hydroxyapatit gebunden. Das restliche Calcium verteilt sich auf die übrigen Gewebe und extrazellulären Flüssigkeiten, wo es für viele lebenswichtige Prozesse eine wichtige Rolle spielt.
  • Außerhalb der Knochen ist Calcium bei der Blutgerinnung, der neuromuskulären Erregungsleitung, der Erregung der Skelett- und Herzmuskulatur, der Enzymaktivierung wie auch der Erhaltung von Integrität und Permeabilität der Zellmembran beteiligt.
  • Die Serumcalciumspiegel und damit die körpereigene Calciummenge werden durch Parathormon (PTH), Calcitonin und Vitamin D gesteuert. Ein Ungleichgewicht zwischen diesen Modulatoren führt zu veränderten Calciumspiegeln im Organismus und Serum.

Indikation

Screening:

  • ab dem 50. Lebensjahr alle 2 Jahre sinnvoll (Frage: Osteoporose)

Kritisch Kranke:

  • Intensivpatienten
  • chirurgische Patienten während und nach größeren Operationen

Knochen:

  • Spontanfrakturen
  • osteoporotische Frakturen
  • Knochenschmerzen
  • Knochenveränderungen im Röntgenbild
  • Zahnveränderungen
  • Wachstumsstörungen

Niere:

  • Nephro- bzw. Urolithiasis
  • Nephrokalzinose
  • Polydipsie
  • Polyurie
  • Dialysepatienten

Tetanisches Syndrom:

  • Abklärung der hypokalziämischen Form

Neuromuskulär:

  • Tetanie
  • Anfallsleiden
  • Verdacht auf Hypoparathyreoidismus nach Schilddrüsenoperation
  • Kopfschmerz
  • Muskelschwäche.

Nebenschilddrüsen:

  • Verdacht auf Hyperparathyreoidismus
  • Hypoparathyreoidismus
  • Pseudohypoparathyreoidismus

Genetische Störung:

  • Verdacht auf autosomal dominante Hypokalziämie

Psyche:

  • Müdigkeit
  • Antriebsverlust
  • Lethargie
  • Depression
  • Anorexie.

Magen und Darm:

  • Ulkusleiden
  • Pankreatitis
  • Gallensteine
  • rezidivierende Durchfälle
  • Malabsorption
  • Obstipation

Haut und Hautanhang:

  • Haut-  Nagel-  Haarveränderungen
  • dunkle Hautfarbe.

Lunge:

  • Sarkoidose
  • Tuberkulose
  • andere granulomatöse Erkrankungen.

Tumoren:

  • Gewichtsverlust
  • maligne Tumoren
  • Lymphome
  • Zytostatikatherapie
  • Strahlentherapie.

Endokrin:

  • Schilddrüsen-, Hoden-, Ovar- & Nebennierenrinden-Erkrankungen.

Medikamente:

  • Einnahme von Vitamin D und seinen Metaboliten oder Analoga
  • Vitamin A
  • Antiepileptika
  • Kortikosteroide
  • Thiazide
  • Digitalis

Material

Serum-Gel-Röhrchen

  • 1 ml Serum
  • alternativ können Lithium-Heparin-Röhrchen verwendet werden
  • kein EDTA- oder Citrat-Plasma
  • Serum von Patienten unter EDTA-Therapie (zur Behandlung von Hypercalcämie) ist zur Analyse ungeeignet, da EDTA zur Chelatbildung führt und das Calcium nicht mehr für die Reaktion mit NM‑BAPTA zur Verfügung steht.
Stabilität
15-25 °C
7 Tage
2-8 °C
3 Wochen
(-25)-(-15)°C
8 Monate

Durchführung

Durchführungsort/-orte:

MZLA - Standort Altenburg
Durchführungsfrequenz
werktags
jederzeit
an anderen Tagen
jederzeit

Referenzbereich

Erwachsene: 2.20 – 2.65 mmol/l
Kinder: 2.19 – 2.51 mmol/l

Beurteilung der Ergebnisse

Erhöhungen (Hypercalciämie):

  • maligne Tumoren (weitere Diagnostik mittels Serum-Proteinelektropherese, Vitamin D, PTH- und PTHrP-Bestimmungen)
  • Exsikkose (Serum-Protein-Erhöhungen)
  • Medikamente:
    • Thiazide
    • Vitamin D-Exzess
  • Sarkoidose
  • familiäre hypocalciurische Hypercalciämie

Erniedrigungen (Hypocalciämie):

  • Hypalbuminämie:
    • Leberzirrhose
    • nephrotisches Syndrom
  • Vitamin D-Mangel
  • PTH-Mangel (Hypoparathyreoidismus)
  • akute Pankreatitis
  • Hypercortisolismus

Grenzen des Verfahrens

  • Das Gesamt-Calcium ist in der Routinediagnostik einfacher zu bestimmen als das ionisierte, hat aber den Nachteil, dass seine Konzentration im Serum durch das Totalprotein, insbesondere Albumin, stark beeinflusst wird. Denn Albumin ist für 80 – 90% der proteingebundenen Calcium-Fraktion verantwortlich. So bewirkt ein Abfall des Albumins um 1 g/dl in etwa eine Erniedrigung des Gesamt-Calcium um 1 mg/dl (0,25 mmol/l)
  • Serum von Patienten unter EDTA-Therapie (zur Behandlung von Hypercalcämie) ist zur Analyse ungeeignet, da EDTA zur Chelatbildung führt und das Calcium nicht mehr für die Reaktion mit NM‑BAPTA zur Verfügung steht.
  • Die Interferenz von Gadolinium-haltigen, intravenös verabreichten Kontrastmitteln für MRT (Magnetresonanztomographie) wurde getestet (Omniscan®, Optimark®), aber in der therapeutischen Konzentration konnte keine Interferenz festgestellt werden. Bei höheren Konzentrationen wurden Interferenzen beobachtet.

Einflussgrößen:

  • Physische Aktivität: Der mittlere Anstieg des ionisiertenCalcium beträgt 0,45 mg/dl (0,11 mmol/l) nach 10 min Radfahren und 0,1 mg/dl (0,02 mmol/l) nach 10 min Treppensteigen
  • Beim Übergang von liegender zu stehender Körperhaltung sind folgende Anstiege zu erwarten: Gesamt-Calciumlcium 4,6 %, ionisiertes Calcium 1,7 %, Albumin und Totalprotein 12 %
  • Bettruhe: Eine 12- und mehrtägige Bettruhe soll zu einer Erhöhung des ionisierten Calciums um 8 % führen, nicht aber des Gesamt-Calcium.
  • Nahrungsaufnahme: Temporär nach Nahrungsaufnahme erfolgt ein Abfall des ionisierten Calciums um 5,4 % auf Grund eines pH-Anstiegs, Zunahme der Konzentration von Totalprotein, Phosphat und Bicarbonat.
  • Respiratorische Alkalose: Bei Hyperventilation resultiert für jeden Anstieg des pH um 0,1 Einheit ein Abfall des ionisierten Calciums um 0,2 mg/dl (0,05 mmol/l).
  • Exsikkose: Für jeden Anstieg des Albumins um 1 g/dl über den oberen Wert des Referenzbereichs können von der Konzentration des Gesamt-Calcium 0,8 mg/dl (0,2 mmol/l) abgezogen werden.
  • Zirkadiane Variation: Das ionisierte Calcium schwankt im Verlaufe des Tages um 4–10 %. Ursachen sind die Nahrungsaufnahme und Änderungen der Säuren-Basen Balance, z.B. durch den Schlaf.

Literatur

  • Herstellerangaben
  • Thomas, Labor & Diagnose 2020
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