Brucella-Antikörpernachweis

Allgemeines

Brucellose ist die häufigste Zoonose weltweit und ein wichtiges Problem für die öffentliche Gesundheit

  • Die Brucellose ist eine Infektion, die durch Brucella-Bakterien verursacht wird.
    • Brucella melitensis (3 Biovare), Verursacher des Malta-Fiebers (am häufigsten), durch unpasteurisierte Milch (-produkte) von Schafen und Ziegen
    • Brucella abortus (7 Biovare), Verursacher des Morbus Bang, Infektquelle: Kuhmilch (-produkte)
    • Brucella suis (5 Biovare), Verursacher der Schweinebrucellose (selten)
    • Brucella canis, Verursacher der Hundebrucellose (selten)
  • Brucella-Organismen haben folgende Überlebenszeiten:
    • in Milch bei 8°C: 2 Tage
    • in gefrorenem Fleisch: bis 3 Wochen
    • in Ziegenkäse: bis 3 Monate
    • in Tierexkrementen: > 40 Tage bei feuchtem Boden

Indikation

Relevante Symptomatik:

  • Inkubationszeit: 2 – 4 Wochen (selten mehrere Monate)
  • Fieber
  • Krankheitsgefühl
  • Nachtschweiß
  • Arthralgien
  • Hepatosplenomegalie

Relevante epidemiologische Exposition:

  • Kontaktinfektion in der Landwirtschaft und bei Laborpersonal:
    • Meldepflichtige Berufskrankheit
    • Eintritspforte:
      • Schleimhäute
      • (Mikro-) Verletzungen der Haut
  • Perorale Infektion durch ungekochte/nicht-pasteurisierte Milch (-produkte) erkrankter Tiere:
    • Brucellosen in Schaf-/Ziegenköse bis 6 Monate überlebensfähig
  • Selten Übetragung über die Muttermilch (bei infizierten Frauen)
ECDC, Annual Epidemiological Report for 2017 Map

Material

Sarstedt Serum-Gel Monovette 7,5 ml
BD EDTA-Vacutainer 3,0 ml
  • 1 ml Serum
Serum-Stabilität
2 – 8°C
5 Tage

Ansatz- / Messzeiten

werktags

Referenzbereich

negativ (< 1:10)

Beurteilung der Ergebnisse

  • Die KBR kann komplementbindende Antikörper der Klassen IgG1, IgG2, IgG3 und IgM nachweisen.
  • Zur sicheren Befundinterpretation sollten zwei verschiedene Serumproben, die im Abstand von ein bis zwei Wochen gewonnen wurden, untersucht werden.
    • Ein mindestens 4-facher Titeranstieg in 2 aufeinanderfolgenden, parallel untersuchten Serumproben gilt als beweisend für einen akute Infektion.
    • In beiden Serumproben gleichmäßig erhöhte KBR-Titer lassen auf eine kurz zurückliegende oder noch anhaltende Infektion schließen.
    • Die Differenzierung zwischen diesen beiden Möglichkeiten erfordert zusätzliche Diagnoseverfahren (IgM- und IgG-spezifische Teste).
    • Ein Titerabfall in zwei aufeinanderfolgenden Serumproben zeigt eine kürzlich durchgemachte Infektion an.
  • Entsprechend dieser Charakteristik kann die KBR als Suchtest für akute Infektionen verwendet werden.
  • Besondere Bedeutung hat die KBR für die Diagnostik von Reinfektionen und endogenen Reaktivierungen, die von der KBR auch bei negativem IgM-Antikörpernachweis (in einem anderen erregerspezifischen Testsystem) angezeigt werden können.
  • Negative KBR-Ergebnisse schließen einen akuten Infekt nicht sicher aus. Dies gilt insbesondere dann, wenn es sich:
    • um lokaliserten Infektionen ohne ausreichenden Kontakt zum Immunsystem (z.B. Gonorrhoe, Mykoplasmen, Chlamydien; Herpes-Simplex),
    • um immunsupprimierte Patienten (z.B. AIDS, Transplantatempfänger) oder
    • um Kleinkinder handelt (niedrige Immunglobulinspiegel)
  • In solchen Fällen müssen ergänzende Teste herangezogen bzw. sollte eine Erregerisolierung durchgeführt werden.

Grenzen des Verfahrens

  • Bestimmungen aus nur einer Probe erlauben keine zuverlässige Aussage über eventuelle Infektionen oder deren Stadium. Wegen der fehlenden Differenzierung der Antikörperklassen sind zur Beurteilung von Infektionsstadien (frisch, rekurrierend, chronisch) wiederholte Bestimmungen nötig.
  • Zur Bestimmung der Immunitätslage (Serumnarbe, Immunschutz) ist die KBR jedoch nicht geeignet. Hierzu müssen ergänzende Testverfahren (ELISA, IFT usw.) herangezogen werden.

Weiterführende Untersuchungen

  • Brucella-Antikörper-ELISA, -IFT
  • Kulturelle Anzucht des Erregers (Blut, Synovialflüssigkeit, Liquor)

Allgemeines Labor:

  • Transaminasenerhöhung
  • Anämie
  • Leukopenie
  • Leukozytose
  • relative Lymphozytose
  • Thrombozytopenie
  • Pancytopenie (selten)

Synovialflüssigkeit:

  • Zellzahl ≤15.000/µl
  • Prädominanz der Lymphozyten
  • Anzucht des Erregers

Liquor:

  • Pleozytose (10 – 200 Leukozyten, Mononukläre Zellen dominieren)
  • leichte Erhöhung des Proteins
  • Antikörpernachweis
  • Anzucht meist nicht möglich

Methode

Komplement-Bindungs-Reaktion

Methodenbeschreibung

Bei der KBR wird eine Antigen-Antikörper-Reaktion durch Bindung (Verbrauch) von Komplement nachgewiesen. Mit Hilfe der Indikator-Reaktion (hämolytisches System) kann die Bindung von Komplement sichtbar gemacht werden. Kommt es durch fehlende Antikörper im Patientenserum nicht zu einer Antigen-Antikörper-Reaktion, wird das Komplement nicht verbraucht und steht der Indikator-Reaktion zur Verfügung. Die Antigen-Antikörper-Reaktion des Indikator-System führt unter Mitwirkung des Komplements zur Lyse von Hammelerythrozyten.

Abrechnung

  • EBM: 32587
  • GOÄ: A4285

Literatur

  • L. Thomas „Labor und Diagnose“ 8. Auflage 2012
  • Herold, Innere Medizin, Ausgabe 2019
  • UpToDate, Brucellosis: Epidemiology, microbiology, clinical manifestations, and diagnosis, Bosilkovski, Oct 2019
  • ECDC, Annual Epidemiological Report for 2017
  • Gebrauchsanweisung für Reagenzien der Komplementbindungsreaktion (KBR), Institut Virion/Serion GmbH
Stand: 04.11.2019
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Literatur