Infektionen der tiefen Atemwege

Infektionen der tiefen Atemwege

Allgemeines

Tiefe Atemwegsinfektionen, bei denen eine mikrobiologische Diagnostik zur kausalen Abklärung prinzipiell in Frage kommt, sind die Bronchitis und Pneumonie sowie deren lokale und systemische Komplikationen wie z.B. Pleuraergüsse und -empyeme und Sepsisfälle.

Indikation

Die Indikation zur mikrobiologischen Diagnostik ist zur Abklärung folgender Symptome gefordert:

  • Bei akuter Exazerbation der COPD
    • Bei Therapieversagen
    • Bei besonders schwerem Verlauf
    • Bei Verdacht auf einen multiresistenten Erreger
  • Bei ambulant erworbener Pneumonie
    • Beim Vorliegen von Risikofaktoren
  • Bei nosokomialer Pneumonie
  • Bei Pneumonien Früh- und Neugeborener, sowie bei Säuglingen < 1 Jahr

Material und Lagerung

  • Sputum
  • Bronchial- und Trachealsekret
  • Bronchoalveoläre Lavage (BAL)
  • Lagerung max. 14h, gekühlt

Untersuchungsauftrag

  • Erreger und Resistenzbestimmung
  • Bei Verdacht auf Pilze dies bitte gesondert anfordern

Testhäufigkeit / Analysedauer

  • Der kulturelle Ansatz erfolgt täglich
  • Ein Endbefund erfolgt in der Regel nach 48h

Referenzbereich

Je näher die Probe aus Arealen zum Infektionsherd stammt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, den klinisch relevanten Erreger zu isolieren und nicht einen unbedeutenden Begleitflora- oder Kolonisationskeim. Tracheal- und Bronchialsekret ist physiologisch steril. Die meisten potentiellen Erreger siedeln aber bei Gesunden unterschiedlich häufig im Mund-Nasen-Rachenraum. Je weniger das untersuchte Material mit dieser Flora kontaminiert ist, umso eher kann fakultativen Erregern ein Krankheitswert beigemessen werden. Die Bewertung von Keimen im Sputum ist wegen der zwangsläufigen Kontamination stets besonders kritisch vorzunehmen.

Methode

  • Mikroskopische Untersuchung des Materials auf Eignung nach Bartlett
  • Kulturelle Anzucht auf speziellen Nährmedien
  • Massenspektrometrische oder biochemische Identifizierung
  • Empfindlichkeitsprüfung nach EUCAST und NAK

Grenzen des Verfahrens

  • Um ein relevantes Bild der Vielfalt und Menge der Mikroorganismen in der betroffenen, meist schon physiologischen Weise besiedelten Strukturen zu gewährleisten, soll die Kulturanlage unmittelbar nach der Abnahme erfolgen.
  • Die Menge des Patientenmaterials, sowie die Abnahmetechnik haben Einfluss auf die Nachweissensitivität.
  • Bei zu langer Lagerung können einige Gattungen ihre Vermehrungsfähigkeit verlieren und so nicht mehr kulturell nachweisbar sein.

Weiterführende Untersuchungen

  • Untersuchung auf Chlamydien mittels PCR
  • Nachweis respiratorischer Viren mittels PCR
  • Biofire Respi-Panel
  • Serologische Nachweise
  • Antigennachweise (Legionellen)
  • Molekularbiologische Verfahren zum Nachweis von Pneumocystis jirovecii

Meldepflicht

  • Es besteht keine explizite Meldepflicht für diese Proben

Literatur und Arbeitsanweisungen

  • MiQ 7 2010
  • SA-MI-GRAMN Version D
  • SA-MI-GRAMP Version E
  • SA-MI-RES Version L
  • SA-MI- PILZE Version D
  • SA-MI-ANAERO Version E
  • SA-MI-BAL Version B

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