Autoantikörper bei Diabetes mellitus

Autoantikörper bei Diabetes mellitus

Themenübersicht

Allgemeines

  • Die Bestimmung von Antikörpern im Serum gegen Proteine der β-Zellen ist das diagnostische Vorgehen in der Prodromalphase des Diabetes Typ 1, denn der Nachweis von Autoantikörpern kann dem manifesten Diabetes Typ 1 für Jahre vorausgehen.
  • Autoantikörper zur Diagnostik des Diabetes Typ 1:
    • Zytoplasmatische Inselzellantikörper (ICA)
    • Glutaminsäure Decarboxylase (GAD65A)-Autoantikörper
    • Insulinoma 2-assoziierte Autoantikörper (IA-2A)*
    • Insulin-Autoantikörper (IAA)*
    • Zink-Transporter-8 (ZnT8)-Autoantikörper*

Indikation

Vorhersage des Diabetes Typ 1:

  • Prodromalphase des Diabetes Typ 1.
  • Akuter Beginn eines ketoazidotischen Diabetes bei Kindern oder übergewichtigen Erwachsenen.
  • Auftreten eines nicht ketotischen Diabetes bei schlanken Patienten.
  • Screening von Verwandten ersten Grades eines Patienten mit Diabetes Typ 1.

Material

Serum-Gel-Röhrchen

  • 4-5 ml Serum

Durchführung

Durchführungsfrequenz
werktags
ein bis zwei mal pro Woche, meistens donnerstags
an anderen Tagen
nein

Die Laborleistung wird von einem Partnerlabor erbracht (*).

Die Erbringung der Laborleistung erfolgt im Laborverbund des MZLA.

Referenzbereich

Autoantikörper gegen Inselzellen: < 1:10

Autoantikörper gegen Glutamat-Decarboxylase: < 10.0 IE/ml (Cut-off )

Autoantikörper gegen Insulin: < 0.40 U/ml

Autoantikörper gegen Tyrosin-Phosphatase-Antikörper (IA-2): < 10.0 U/ml

Autoantikörper gegen Zink-Transport 8: <15.0 RE/ml

Beurteilung der Ergebnisse

  • Der Zeitraum von der Serokonversion der Autoantikörper bis zum Beginn des Typ I Diabetes mellitus variiert von Wochen bis zu 18 Jahren.
  • Eine rasche Progression zum T1D erfolgt, je jünger die Kinder bei der Serokonversion sind.
  • Die Anzahl der Autoantikörper ist bedeutsam für die Entwicklung eines Typ I Diabetes mellitus:
    • 1 AAK positiv: PPW 3%
    • 2 AAK positiv: PPW 16%
    • 3 AAK positiv: PPW 40%
    • 4 AAK positiv: PPW 50%

Grenzen des Verfahrens

  • Zur Vorhersage eines Typ I Diabetes mellitus ist keiner der Autoantikörper allein sensitiv genug, denn auch Gesunde können Autoantikörper positiv sein (1-2%).
  • Der IAA alleine hat keine positive Prädiktivität.

Weiterführende Untersuchungen

Methode

Indirekte Immunfluoreszenz (IIFT)
Enzymgekoppelter Immunadsorptionstest (englisch: enzyme-linked Immunosorbent Assay, ELISA)

Methodenbeschreibung

Gefrierschnitte von Gewebe werden mit verdünnten Patientenproben inkubiert. Bei positiven Proben binden sich die spezifischen Antikörper an die Antigene. Die gebundenen Antikörper werden mit Fluorescein-markierten Anti-human-Antikörpern angefärbt und im Fluoreszenzmikroskop sichtbar gemacht.

Der ELISA gehört zu den antikörperbasierten Nachweisfahren.
Bei positiven Proben binden sich spezifische Antikörper an den Analyten.
In einem zweiten Schritt binden sich die immobilisierten Komplexe an den dazugegebene Biotin-markierte Analyten. Das gebundene Biotin geht mit Enzym-markiertem Avidin eine Farbreaktion ein. Die Intensität der Farbreaktion ist proportional zur Konzentration der Autoantikörper gegen den Analyten.

Literatur

  • Thomas, Lothar, Labor & Diagnose 2020
  • Orban T, Sosenko JM, Cuthbertson D, Krischer JP, Skyler JS, Jackson R, et al. Pancreatic islet antibodies as predictors of type 1 diabetes in the Diabetes Prevention Trial-Type 1. Diabetes Care 2009; 32: 2269–74.
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