Anti-CCP
Inhalt
Anti-CCP
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Probennahme
Indikation
- Verdacht auf rheumatoide Arthritis (RA): neu aufgetretene schmerzhafte Gelenkschwellungen und Druckschmerzen an zwei oder mehr Gelenken über mindestens 6 Wochen
- Serologische Klassifikation gemäß ACR/EULAR-Kriterien 2010 (zusammen mit Rheumafaktor, CRP und BSG)
- Verdacht auf seronegative RA (Rheumafaktor-negative Polyarthritis) zur Diagnosesicherung
- Früharthritis und undifferenzierte Arthritis: prognostische Einschätzung des Progressionsrisikos zur erosiven RA
- Differenzialdiagnostische Abgrenzung der RA gegenüber anderen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen (z. B. Psoriasis-Arthritis, Sjögren-Syndrom, SLE)
- Therapieplanung: Hinweis auf potenziell besseres Ansprechen auf Abatacept oder Rituximab bei hochpositiven ACPA-Titern
- Risikostratifizierung bei asymptomatischen ACPA-positiven Personen mit erhöhtem RA-Entwicklungsrisiko
- Material: Serum (Serumröhrchen oder Serumgel-Röhrchen); alternativ Plasma (Li-Heparin) je nach Hersteller-Angabe – Serum bevorzugt
- Nüchternheit: nicht erforderlich
- Probenmenge: mindestens 0,3–0,5 ml Serum
- Stabilität: bei +2 bis +8 °C bis zu 7 Tage stabil; bei –20 °C langfristig lagerbar (Einfrieren und Auftauen einmalig möglich)
- Methode: Chemilumineszenz-Immunoassay (CLIA) – vollautomatisiertes Verfahren mit hoher Reproduzierbarkeit; quantitative Bestimmung von IgG-Antikörpern gegen cyclische citrullinierte Peptide (CCP)
- Störfaktoren: stark hämolytische und lipämische Proben können die Messung beeinflussen und sollten verworfen werden
- Interferenzen durch stark erhöhten Rheumafaktor (Hook-Effekt bei sehr hohen Titern), erhöhtes Biotin (Vitamin B7-Supplementierung >5 mg/Tag) sowie stark erhöhte IgA- und IgM-Konzentrationen möglich
- Keine bekannte Beeinflussung durch immunsuppressive Therapie auf den Titer (ACPA-Titer spiegelt nicht die aktuelle Krankheitsaktivität wider)
Interpretation
Allgemeines
Anti-CCP-Antikörper (ACPA, Antikörper gegen cyclische citrullinierte Peptide) sind Autoantikörper, die gegen citrullinierte Peptide und Proteine gerichtet sind. Citrullin entsteht durch posttranslationale Modifikation: Das Enzym Peptidylarginin-Deiminase (PAD) katalysiert die Umwandlung von Arginin zu Citrullin, ein Prozess, der im Rahmen von Inflammation, Apoptose und Keratinisierung verstärkt abläuft. Veränderte citrullinierte Strukturproteine wie Fibrinogen, Vimentin und Filaggrin werden vom Immunsystem als fremd erkannt und lösen eine spezifische B-Zell-Antwort aus. Antigen-stimulierte B-Zellen in der Synovialis produzieren ACPA, die lokal zur Gelenkentzündung und Knorpeldestruktion beitragen. ACPA sind die serologisch spezifischsten Marker der rheumatoiden Arthritis (RA) und Bestandteil der ACR/EULAR-Klassifikationskriterien von 2010; sie sind mitunter bereits Jahre vor Auftreten erster klinischer Symptome nachweisbar und besitzen einen hohen prognostischen Stellenwert hinsichtlich Erosivität und Krankheitsverlauf.
Beurteilung
Erhöht:
- Rheumatoide Arthritis (RA): Kernindikation; Sensitivität ca. 60–78 %, Spezifität 86–99 %; hochpositiver Befund nahezu beweisend für RA in geeignetem klinischem Kontext
- Früh-RA und präklinische RA: ACPA können Jahre vor der klinischen Manifestation nachweisbar sein; positiver Befund bei undifferenzierter Arthritis prädiktiv für Erosionsentwicklung
- Seronegative RA (RF-negativ): ACPA ermöglicht Diagnosesicherung bei RF-negativen Patienten
- Juvenile idiopathische Arthritis (JIA), polyartikuläre Form (RF-positiv): Assoziation mit schwerem Verlauf und erosiver Erkrankung
- Psoriasis-Arthritis: in ca. 8–12 % der Fälle falsch-positiv; Assoziation mit schwerem Gelenkbefall und polyartikulärem Muster
- Primäres Sjögren-Syndrom: positiv in ca. 7 % der Fälle, oft mit hohem Titer
- Asymptomatische ACPA-positive Personen (ca. 1–2 % der Gesunden): erhöhtes Risiko für spätere RA-Entwicklung, jedoch keine Therapieindikation ohne klinische Arthritis
- Selten positiv bei: SLE, anderen Kollagenosen, Hepatitis C-assoziierter Arthropathie (Differenzialdiagnostik beachten)
Erniedrigt / Negativ:
- Negativer Befund schließt eine RA nicht aus: ca. 20–40 % der RA-Patienten sind seronegativ (ACPA- und RF-negativ)
- Seronegative RA: klinische Diagnose bleibt möglich; weitere Parameter (RF, CRP, BSG, Bildgebung) zur Klassifikation heranziehen
- ACPA-Titer korreliert nicht mit Krankheitsaktivität: Titerabfall unter Therapie nicht als Verlaufsparameter geeignet
- Wiederholungsbestimmung bei negativem Erstbefund und klinisch weiterhin bestehendem Verdacht sinnvoll (Früharthritis, präklinische Phase)
Grenzen
- Keine Korrelation des ACPA-Titers mit der aktuellen Krankheitsaktivität: nicht für das Therapiemonitoring oder die Verlaufskontrolle geeignet
- Eingeschränkte Sensitivität in frühen Erkrankungsstadien: ca. 20–40 % der RA-Patienten bleiben dauerhaft ACPA-negativ (seronegative RA)
- Falsch-positive Befunde möglich bei: Psoriasis-Arthritis, primärem Sjögren-Syndrom, SLE, Hepatitis C-assoziierter Arthritis, seltener bei anderen Autoimmunerkrankungen
- Falsch-positive Befunde in der Normalbevölkerung in ca. 1–2 % möglich, insbesondere bei älteren Personen
- Interassay-Variabilität: verschiedene CLIA-, ELISA- und ECLIA-Generationen (CCP2, CCP3, CCP3.1) weisen unterschiedliche Sensitivitäten auf; CCP3.1 erfasst zusätzlich IgA-Antikörper und kann die Sensitivität bei Früh-RA erhöhen
- Biotin-Interferenz (High-dose-Biotin-Supplementierung): kann zu falsch-niedrigen Ergebnissen führen; Biotin-Einnahme mindestens 8 Stunden vor Blutabnahme pausieren
- Stark hämolytische, lipämische oder iktärische Proben können zu methodischen Interferenzen führen
- Kein geeigneter Diagnoseersatz: Ergebnis stets im Kontext von Klinik, Anamnese und weiteren ACR/EULAR-Klassifikationskriterien interpretieren
- Einmalige Bestimmung pro Krankheitsfall abrechnungsfähig (EBM GOP 32489, max. 1× alle 12 Monate; Ausnahmekennziffer 32023 beachten)
Methode
CLIA
Einheit
- Stand: 2026-07-08