Calprotectin i.Stuhl

Inhalt

Calprotectin i.Stuhl

Inhalt

Probennahme

Stuhlröhrchen mit Spatel

Indikation

  • Differenzialdiagnostik der Diarrhoe:
    • entzündlich (hohe Calprotectin-Werte) versus nicht-entzündlich (niedrige Calprotectin-Werte)
  • Differenzierung zwischen entzündlichen und nicht-entzündlichen Darmerkrankungen, Verdacht auf eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (z. B. Colitis ulcerosa, Morbus Crohn)
  •  Einschätzung der entzündlichen Aktivität bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn
  • Therapie-Monitoring bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen
  • Früherkennung von Remissionen und Rezidiven

Präanalytik

Bei Raumtemperatur 3 Tage stabil (Postversand möglich)

Interpretation

Allgemeines

  • Calprotectin ist ein nicht-invasiver Test zur Differenzierung zwischen entzündlichen und nicht-entzündlichen Darmerkrankungen und gilt als „CRP des Darms“.
  • Bei der Unterscheidung zwischen entzündlichen und nicht-entzündlichen Darmerkrankungen ist Calprotectin im Stuhl Bluttests wie CRP oder BSG deutlich überlegen.
  • Calprotectin ist ein wichtiger zytosolischer Bestandteil von neutrophilen Granulozyten, die bei einer Entzündung des Darmtraktes durch die Darmwand in das Darmlumen wandern. Die Konzentration von fäkalem Calprotectin ist ein direktes Maß für die Chemotaxis-getriggerte Einwanderung der Granulozyten ins Darmlumen, und damit ein semiquantitativer Marker eines zellulären entzündlichen Prozesses
  • Laktoferrin kommt ebenfalls in Granula von Neutrophilen Granulozyten vor. Im Stuhl nachweisbares Lactoferrin ist ein Maß für die Chemotaxis-getriggerte Einwanderung der Granulozyten aus der Darmwand ins Darmlumen. Calprotectin und Laktoferrin sind in ihren diagnostischen Wertigkeit vergleichbar.

Beurteilung

Normales Testergebnis (<50 mg/kg):
  • Normalwerte von Calprotectin im Stuhl treten auf bei nicht-entzündlichen Ursachen von gastrointestinalen Beschwerden.
  • Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen schwanken zwischen der aktiven (inflammatorischen) und inaktiven Phase der Krankheit. Diese Phasen müssen bei der Interpretation der Ergebnisse berücksichtigt werden.
  • Bei Patienten mit einer Granulozytopenie als Ausdruck einer Knochenmarksdepression kann es zu falsch-negativen Ergebnissen kommen.
Grenzwertiges Testergebnis (50 – 120 mg/kg): Fäkales Calprotectin ist ein Indikator für die Gegenwart von Neutrophilen im Stuhl. Es ist zu empfehlen, grenzwertige Spiegel von fäkalem Calprotectin nach 4 – 6 Wochen erneut auszuwerten, um den Entzündungsstatus zu bestimmen.
  • Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen schwanken zwischen der aktiven (inflammatorischen) und inaktiven Phase der Krankheit. Diese Phasen müssen bei der Interpretation der Ergebnisse berücksichtigt werden.
Erhöhtes Testergebnis (> 120 mg/kg):
  • Erhöhte Werte treten neben chronisch entzündlichen Darmerkrankungen z. B. auf bei Magen-Darm-Infektionen und dem Kolorektalkarzinom.
  • Blut im Stuhl kann potenziell zu falsch-hohen Test-Ergebnissen führen.
  • Patienten, die mit NSAR behandelt werden, können erhöhte Konzentrationen von fäkalem Calprotectin aufweisen.
  • Neugeborene haben erhöhte Calprotectin-Werte im Stuhl, womöglich aufgrund der unreifen Schleimhautbarriere, und Kinder, die gestillt werden, höhere Werte als jene, die mit Formel-Nahrung ernährt werden.

Grenzen

Falsch-positive Werte:
  • Patienten unter Therapie mit nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) können erhöhte Konzentrationen von fäkalem Calprotectin aufweisen (Nicht-steroidale Entzündungshemmer sind Schmerzmittel mit schmerzstillenden, fiebersenkenden und entzündungshemmenden Eigenschaften z.B. Diclofenac,  Diclofenac-Gel (Voltaren®), Ibuprofen, Acetylsalicylsäure (Aspirin®)).
  • Da Calprotectin im Zytoplasma der Neutrophilen vorkommt, besteht potenziell die Möglichkeit, dass es bei der Messung blutiger Stuhlproben zu erhöhten Calprotectin-Testergebnissen kommt.
Falsch-negative Werte:
  • Bei Patienten mit einer Granulozytopenie als Ausdruck einer Knochenmarksdepression kann es zu falsch-negativen Ergebnissen kommen.
  • Patienten mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung schwanken zwischen der aktiven (inflammatorischen) und inaktiven Phase der Krankheit. Diese Phasen müssen bei der Interpretation der Ergebnisse berücksichtigt werden.
Die systemische Inflammation wird besser durch das CRP reflektiert als durch das Calprotectin im Stuhl.

Methode

ELISA

Einheit

mg/kg

Referenzbereiche

Geschlecht
Referenzbereich / Entscheidungsgrenzen
Allgemein
Weiblich
Männlich

Literatur

  • Aktualisierte S3-Leitlinie „Diagnostik und Therapie des M. Crohn“ 01/2014
  • LIAISON® Calprotectin ([REF] 318960)
  • Stragier E et al.: The use of fecal calprotectin and lactoferrin in patients with IBD. Acta Gastro-enterologica belgica 76 (3): 322-328 (2013)
  • Fagerberg UL et al.: Colorectal inflammation is well predicted by fecal calprotectin in children with gastrointestinal symptoms. J Pediatr Gastroenterol Nutr 40: 450 455 (2005)
  • Carrocio A et al. Diagnostic accuracy of fecal calprotectin assay in distinguishing organic causes of chronic diarrhea from irritable bowel syndrome: a prospective study in adults and children. Clinical Chemistry 49: 861 867 (2003)
  • Mumolo MG et al.: From bench to bedside: Fecal calprotectin in inflammatory bowel diseases clinical setting. World J. Gastroenteral 24 (33): 3681-3694 (2018)
Stand: 06.11.2019
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