C-Peptid/Glucose Ratio:
Inhalt
C-Peptid/Glucose Ratio:
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Probennahme
Indikation
- Differenzialdiagnose zwischen Typ-1- und Typ-2-Diabetes mellitus
- Therapieentscheidung bei Typ-2-Diabetes: Empfehlung vor Therapieentscheidung oder -umstellung
- Verdacht auf latent autoimmune diabetes in adults (LADA)
- Differenzialdiagnose der Hypoglykämiesyndrome
- Abgrenzung Insulinom versus Hypoglycaemia factitia
- Bewertung der β-Zell-Funktionsreserve bei Prädiabetes
- Vorhersage einer zukünftigen Insulinpflichtigkeit
- Beurteilung der Insulinresistenz versus Insulinmangel
- Material: Serum oder Plasma (EDTA, Heparin) – alle Parameter aus einer Probenentnahme
- Nüchternheit: Mindestens 8-12 Stunden erforderlich
- Probenverarbeitung: Sofortige Zentrifugation und Einfrieren bei -20°C empfohlen
- Stabilität: C-Peptid bei Raumtemperatur 8 Stunden stabil
- Störfaktoren: Bei eGFR < 50 ml/min steigt C-Peptid-Konzentration deutlich an
- Medikamenteneinfluss: Glukokortikoide können C-Peptid erhöhen
- Ernährung: Kohlenhydratreiche Nahrung kann C-Peptid vorübergehend erhöhen
Interpretation
Allgemeines
Diese diagnostische Kombination vereint C-Peptid, Glucose und deren Quotient (CGR) zur umfassenden Bewertung der pankreatischen β-Zell-Funktion. Die C-Peptid-Glucose-Ratio (CGR) erlaubt die Abgrenzung eines Insulinmangels von einer Insulinhypersekretion beziehungsweise -resistenz. β-Zellen sezernieren C-Peptid und Insulin in äquimolarer Menge als Spaltprodukte von Proinsulin, jedoch wird bis zu 90% des sezernierten Insulins bei der ersten Leberpassage abgebaut, während C-Peptid vorwiegend (80%) renal eliminiert wird. Die CGR als Quotient aus nüchtern gemessenem C-Peptid und Nüchternplasmaglucose unterscheidet zwischen Insulinmangel und Hyperinsulinämie. Die simultane Bestimmung aller drei Parameter ermöglicht eine präzise Differenzierung verschiedener pathophysiologischer Zustände und unterstützt therapeutische Entscheidungen.
Beurteilung
Typische Interpretationsmuster:
- CGR < 2.0: Hinweis auf Insulinmangel
- CGR > 5.0: Hinweis auf Insulinresistenz
- C-Peptid niedrig + Glucose erhöht + CGR niedrig: Typ-1-Diabetes oder fortgeschrittener Typ-2-Diabetes
- C-Peptid erhöht + Glucose erhöht + CGR normal/erhöht: Früher Typ-2-Diabetes mit Insulinresistenz
- C-Peptid niedrig + Insulin erhöht: Verdacht auf Hypoglycaemia factitia
- C-Peptid, Insulin und Proinsulin alle erhöht: Insulinom oder Sulfonylharnstoff-Einnahme
- C-Peptid nach Stimulation < 1,0 ng/ml: Patient ist insulinbedürftig
Grenzen
- C-Peptid-Konzentrationen von 0,13-0,36 nmol/l erlauben keine Diskriminierung zwischen Typ-1- und Typ-2-Diabetes
- C-Peptid/Glucose-Quotient verbessert die diagnostische Genauigkeit nicht immer gegenüber C-Peptid allein
- Bei Niereninsuffizienz (eGFR < 50 ml/min) steigt C-Peptid-Konzentration deutlich an
- Methodenabhängige Referenzwerte erschweren laborübergreifende Vergleiche
- Überlappung der Werte zwischen verschiedenen Diabetesformen möglich
- Keine Vorhersagekraft für Insulinbedürftigkeit bei etabliertem Typ-2-Diabetes
Literatur
- Deutsche Diabetes Gesellschaft. Praxisempfehlungen: Definition, Klassifikation, Diagnostik. Diabetologie 2022; 17 (Suppl 2): S98-S110
- Fritsche A, Heni M, Peter A et al. Considering insulin secretory capacity as measured by a fasting C-peptide/glucose ratio in selecting glucose-lowering medications. Exp Clin Endocrinol Diabetes 2022; 130(03): 200-204
- Service FJ, Molnar GD, Rosevear JW et al. Mean amplitude of glycemic excursions, a measure of diabetic instability. Diabetes 1970; 19: 644-655
- Saisho Y, Kou K, Tanaka K et al. Postprandial serum C-peptide to plasma glucose ratio as a predictor of subsequent insulin treatment. Endocr J 2011; 58: 315-322
- Thomas L. Labor und Diagnose, 5. Auflage. Frankfurt/M.: TH-Books; 2000
- Stand: 2026-01-21