Anti-HBc-AK (IgG+IgM)
Inhalt
Anti-HBc-AK (IgG+IgM)
Inhalt
Probennahme
Indikation
- Verdacht auf akute Hepatitis B bei klinischer Symptomatik
- Differenzierung zwischen akuter und chronischer HBV-Infektion
- Screening bei erhöhten Leberwerten unklarer Genese
- Hepatitis-B-Diagnostik bei Migrationshintergrund aus Hochprävalenzländern
- Kontaktpersonenuntersuchung bei HBsAg-positiven Indexpatienten
- Präoperative Diagnostik und vor immunsuppressiver Therapie
- Verlaufskontrolle bei bekannter HBV-Exposition
- Abklärung isoliert positiver Anti-HBc-Befunde
- Material: Serum, (EDTA-Plasma möglich)
- Nüchternheit: Nicht erforderlich
- Stabilität: Serum 7 Tage bei 2-8°C, länger bei -20°C
- Störfaktoren: Hämolyse, Lipämie
- Timing: Frühestens 30-60 Tage nach potentieller Exposition sinnvoll
- Keine besonderen Lagerungsbedingungen erforderlich
Interpretation
Allgemeines
Die Anti-HBc-AK (IgG+IgM)-Kombination vereint die Bestimmung von Anti-HBc-Gesamtantikörpern mit der separaten Anti-HBc-IgM-Diagnostik zur umfassenden serologischen Beurteilung einer Hepatitis-B-Infektion. Die Kombination ermöglicht die Unterscheidung zwischen akuten, chronischen und ausgeheilten HBV-Infektionen durch die differenzierte Bewertung der Antikörperkinetik gegen das Hepatitis-B-Core-Antigen. IgM-Antikörper gegen HBc erscheinen früh in der akuten Infektionsphase und verschwinden nach Monaten, während IgG-Antikörper langfristig persistieren. Diese rationale Testauswahl beruht auf der klinischen Notwendigkeit, sowohl eine Screening-Aussage über den HBV-Kontakt als auch eine zeitliche Einordnung der Infektion zu ermöglichen.
Beurteilung
Typische Interpretationsmuster:
- Anti-HBc gesamt positiv + Anti-HBc-IgM positiv: Akute HBV-Infektion oder Exazerbation einer chronischen Hepatitis B
- Anti-HBc gesamt positiv + Anti-HBc-IgM negativ: Chronische, abgelaufene oder ausgeheilte HBV-Infektion
- Anti-HBc gesamt negativ + Anti-HBc-IgM negativ: Keine HBV-Infektion nachweisbar
- Anti-HBc-IgM erscheint vor Anti-HBc-IgG und zeigt frühe Infektion an
- Isoliert Anti-HBc-positiv: Okkulte Hepatitis B oder späte Rekonvaleszenz möglich
- Bei chronischer Hepatitis B meist Anti-HBc-IgM schwach positiv
Grenzen
- Konventionelle Anti-HBc-Tests detektieren IgG und IgM gemeinsam, separate IgG-spezifische Tests erforderlich für Differenzierung
- HBsAg kann in seltenen Fällen falsch negativ sein bei okkulter Hepatitis B
- Anti-HBc-IgM bei chronischer Hepatitis B-Exazerbation meist niedrige Titer
- Kreuzreaktivität mit anderen Virusinfektionen möglich
- Serofenster in sehr früher Infektionsphase möglich
Literatur
- S3-Leitlinie der DGVS zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-B-Virusinfektion, AWMF-Register Nr. 021-11, aktualisiert Juli 2021
- Springermedizin: Diagnostik und Therapie der Virushepatitis B und D im Jahr 2024
- EASL 2025 Guidelines: Chronic hepatitis B management mit biomarker-geführter Therapie
- Clinical Significance of Anti-HBc Antibody and HBV Core-Related Antigen, PMC 2024
- WHO 2024 hepatitis B guidelines: an opportunity to transform care
- Stand: 2026-02-23