Adrenalin i.H.
Inhalt
Adrenalin i.H.
Inhalt
Probennahme
Indikation
- Diagnostik des Phäochromozytoms bei typischer Symptomtrias (Kopfschmerz, Schweißausbrüche, Tachykardie)
- Abklärung therapierefraktärer oder paroxysmaler Hypertonie unklarer Genese
- Verdacht auf Paragangliom bei extraadrenalen katecholaminproduzierenden Tumoren
- Screening bei genetischen Syndromen (MEN-2, von-Hippel-Lindau-Syndrom, Neurofibromatose)
- Verlaufskontrolle nach operativer Phäochromozytom-Entfernung
- Differenzialdiagnostik maligner versus benigner katecholaminproduzierender Tumoren
- Inzidentelle Nebennierenraumforderungen mit Verdacht auf Hormonaktivität
- Familienscreening bei nachgewiesenen hereditären Phäochromozytom-Syndromen
- Material: EDTA-Plasma (freie Katecholamine) und 24h-Sammelurin (angesäuert mit HCl)
- Nüchternheit: Nicht erforderlich
- Blutentnahme: Nach 30-minütiger Ruhe in liegender Position aus liegendem Venenzugang
- Medikamentenkarenz: 2 Wochen vor Untersuchung (MAO-Hemmer, trizyklische Antidepressiva, Paracetamol)
- Genussmittelkarenz: 24h vor Untersuchung kein Kaffee, Tee, Nikotin, Alkohol
- Nahrungskarenz: Bananen, Käse, Mandeln, Nüsse, Schokolade meiden
- Stressminimierung: Stressfreie Abnahmebedingungen essentiell
- Urinsammlung: 24h-Urin mit 10ml 25%iger HCl ansäuern, Kühlkette beachten
Interpretation
Allgemeines
Die Diagnostik des Phäochromozytom umfasste früher die Bestimmung der Gesamtkatecholamine sowie von deren Abbauprodukten Vanillinmandelsäure im 24 h Sammelurin und Plasma. Diese Methoden sind aber nicht 100 % zuverlässig. Die zeitgemäße Labordiagnistik (2026) zum Ausschluss eines Phäochromozytoms besteht in der Bestimmung der Metanephrin-Konzentration im Plasma. Eine normale Konzentration der Metanephrine im Plasma schließt ein Phäochromozytom mit hoher Sicherheit aus. Das Phäochromozytom ist durch eine übermäßige Synthese von Katecholaminen gekennzeichnet und Adrenalin stammt überwiegend aus dem Nebennierenmark, während Noradrenalin überwiegend von sympathischen Nervenendigungen produziert wird. Die Kombination aus freien Katecholaminen im Plasma und deren Bestimmung im Sammelurin kann die diagnostische Sensitivität erhöhen, da Phäochromozytome die Katecholamine nicht immer kontinuierlich sezernieren. Die Einbeziehung der Dopaminbestimmung ist essentiell, da maligne Phäochromozytome auch Dopamin bilden.
Beurteilung
Typische Konstellationen:
- Normetanephrin >2,19 nmol/l und Metanephrin >1,20 nmol/l: 100%ige diagnostische Sensitivität für Phäochromozytom
- Adrenalin/Metanephrin erhöht + Noradrenalin/Normetanephrin normal: Adrenales Phäochromozytom
- Noradrenalin/Normetanephrin dominant erhöht: Extraadrenales Paragangliom
- Dopamin zusätzlich erhöht: Verdacht auf Malignität
- Werte >3-fach der oberen Norm gelten als diagnostisch
- Alle Parameter normal: Phäochromozytom praktisch ausgeschlossen
- Grenzwertige Erhöhung: Clonidin-Suppressionstest zur weiteren Abklärung
Grenzen
- Stressbelastung durch Abnahmesituation als Störgröße bei Plasmabestimmung
- Interferenzen durch Medikamente (Sympathomimetika, Antidepressiva, MAO-Hemmer)
- Falsch-positive Werte bei essentieller Hypertonie, Stress, körperlicher Belastung
- Analytische Interferenzen durch Paracetamol und andere Phenole
- Unvollständige Urinsammlung führt zu falsch-niedrigen Werten
- Episodische Sekretion kann in Einzelbestimmung übersehen werden
- Schwierige Interpretation bei Niereninsuffizienz
Literatur
- Leitlinien zur Diagnostik und Therapie des Phäochromozytoms (aktuell diskutierte Studien)
- Metanephrine im Plasma und fraktionierte Metanephrine im 24h-Sammelurin als Diagnostik der ersten Wahl
- Jaques W.M. et al: Clinical Practice Guideline: Phaeochromocytoma and Paraganglioma; J Clin Endocrinol Metab, 2014
- Bestimmung von Normetanephrin/Metanephrin im Plasma besitzt höchste Sensitivität
- Clonidin-Suppressionstest: Sensitivität 87%, Spezifität 93%
- Stand: 2026-02-19