Zöliakie-Status
Inhalt
Zöliakie-Status
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Probennahme
Indikation
- Primärdiagnostik bei klinischem Verdacht auf Zöliakie als serologischer Erstttest
- Screening bei Verwandten 1. und 2. Grades von Zöliakie-Patienten
- Serologische Abklärung bei Risikogruppen (Down-Syndrom, Turner-Syndrom, Autoimmunerkrankungen)
- Diagnostik bei bekanntem oder vermutetem IgA-Mangel (3-7% der Zöliakie-Betroffenen)
- Verlaufskontrolle und Diätüberwachung bei gesicherter Zöliakie
- Bestätigungsdiagnostik bei hochpositiven Transglutaminase-IgA-Titern (≥10-fach erhöht) zur biopsiefreien Diagnose
- Serologische Abklärung bei Zottenatrophie unklarer Genese
- Material: Serum
- Nüchternheit: Nicht erforderlich
- Stabilität: Bei 4°C mehrere Tage, bei -20°C langzeitstabil
- Essentiell: Glutenhaltige Ernährung zum Zeitpunkt der Diagnostik
- Bei bereits begonnener glutenfreier Diät: Gluten-Reexposition über mindestens 3 Monate erforderlich
- Transportzeit unkritisch, Postversand möglich
Interpretation
Allgemeines
Diese umfassende Kombination von 7 Parametern vereint die wichtigsten serologischen Marker der Zöliakie-Diagnostik und berücksichtigt dabei die bei 3-7% der Zöliakie-Betroffenen auftretende IgA-Defizienz. Die diagnostische Rationale beruht auf der komplementären Verwendung von Transglutaminase- und Endomysium-Antikörpern als hochspezifischen Markern sowie deamidiertem Gliadin als zusätzlichem Parameter. Die Kombination von Endomysium- und Transglutaminase-IgA-Antikörpern erreicht eine hohe Sensitivität (~100%) und Spezifität (~100%). Die gleichzeitige Bestimmung beider Isotypklassen (IgA und IgG) ermöglicht die sichere Diagnostik auch bei IgA-Mangel, während die Gesamt-IgA-Bestimmung einen IgA-Mangel ausschließt und somit falsch-negative Ergebnisse verhindert.
Beurteilung
Typische Konstellationen:
- Transglutaminase-IgA und Endomysium-IgA positiv + normales Gesamt-IgA: Klassische Zöliakie mit hoher Spezifität (~100%)
- Transglutaminase-IgA ≥10-fach erhöht + Endomysium-IgA positiv: Diagnose ohne Biopsie möglich
- Alle IgA-Parameter negativ + erniedrigtes Gesamt-IgA: IgA-Mangel – Bewertung der IgG-Parameter erforderlich
- Transglutaminase-IgG und/oder Gliadin-IgG positiv bei IgA-Mangel: Wichtige diagnostische Stütze bei IgA-Defizienz
- Alle Parameter normal bei glutenhaltiger Diät: Zöliakie weitgehend ausgeschlossen
- Fallende Antikörper-Titer unter glutenfreier Diät: Therapiekontrolle
Grenzen
- IgG-Parameter bei IgA-Mangel haben geringere diagnostische Genauigkeit, Biopsie oft zusätzlich erforderlich
- Falsch-negative Ergebnisse unter glutenfreier Diät oder bei unzureichender Glutenzufuhr
- Transiente Antikörpererhöhung möglich (z.B. bei Virusinfektionen)
- Gliadin-Antikörper können auch bei Allergikern und ~5% der Gesunden auftreten
- Diagnostische Genauigkeit abhängig von verwendetem Test und Bewertung grenzwertiger Titer
Literatur
- Felber J et al. Aktualisierte S2k-Leitlinie Zöliakie. Z Gastroenterol 2022; 60: 790–856
- Al-Toma et al. European Society for the Study of Coeliac Disease (ESsCD) guideline. United European Gastroenterol J 2019; 7(5):583-613
- Husby S et al. ESPGHAN guidelines for the diagnosis of coeliac disease. J Pediatr Gastroenterol Nutr 2012; 54(1):136–160
- Ciacci C et al. Serum anti-tissue transglutaminase IgA and prediction of duodenal villous atrophy. Lancet Gastroenterol Hepatol 2023
- Stand: 2026-02-11