Autoimmun-Encephalitis
Inhalt
Autoimmun-Encephalitis
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Probennahme
Indikation
- Verdacht auf autoimmune Enzephalitis bei akuter bis subakuter neuropsychiatrischer Symptomatik
- Enzephalopathische, epileptische oder psychiatrische Symptome unklarer Genese mit akutem Beginn
- Differenzialdiagnostik immunvermittelter ZNS-Erkrankungen (ADEM, NMDAR-Enzephalitis, CASPR2-Enzephalitis)
- Screening bei paraneoplastischen neurologischen Syndromen gemäß aktueller PNS-Kriterien
- Autoimmunenzephalitis-Verdacht auch bei unauffälligem MRT, Liquor und EEG
- Comprehensive Autoantikörper-Evaluation bei Patienten mit ersten psychotischen Episoden
- Abklärung bei Verdacht auf neuronale Oberflächenantikörper-assoziierte Erkrankungen
- Material: Serum (5ml) UND Liquor cerebrospinalis (2ml) empfohlen
- Nüchternheit: Nicht erforderlich – simultane Testung beider Materialien verbessert diagnostische Genauigkeit
- Liquor zeigt bei NMDAR- und GFAP-Antikörpern höhere Spezifität, Serum bei LGI1/CASPR2-Antikörpern höhere Sensitivität
- Stabilität: Serum und zellfreier Liquor bei -80°C innerhalb 1h nach Entnahme einfrieren
- Interpretation: Isolierte Serum-Positivität bei GABABR/NMDAR erhöht Falsch-Positiv-Risiko
- Keine besonderen Störfaktoren bekannt
Analysen
Interpretation
Allgemeines
Diese diagnostische Kombination vereint 13 neuronale Autoantikörper gegen intrazellulare und membranständige Antigene zur umfassenden Abklärung von Autoimmunenzephalitiden. Die Auswahl beruht auf der pathophysiologischen Unterscheidung zwischen paraneoplastisch assoziierten Antikörpern gegen intrazellulare Antigene (Amphiphysin, CV2, HU, RI, YO, MA2) und Antikörpern gegen Zelloberflächen-Antigene (NMDAR, AMPAR, GABABR, LGI1, CASPR2, DPPX), die oft auch nicht-paraneoplastisch auftreten und auf Immuntherapie ansprechen. Synaptische Autoantikörper führen über direkte Interaktion ohne zelluläre Destruktion zu meist reversibler Funktionsstörung, während intrazelluläre Antikörper T-Zell-vermittelte Neurodegeneration markieren. Die Kombination ermöglicht die gleichzeitige Erfassung sowohl pathogener membranständiger Antikörper (NMDAR, LGI1, CASPR2, AMPAR, GABABR, DPPX) als auch biomarker-relevanter intrazellulärer Antikörper.
Beurteilung
Interpretation der Kombinationsergebnisse:
- Membranständige Antikörper (NMDAR, AMPAR, LGI1, CASPR2, GABABR, DPPX) positiv: Meist gute Immuntherapie-Response, oft nicht-paraneoplastisch
- Intrazellulare Antikörper (Amphiphysin, CV2, HU, RI, YO, MA2) positiv: Meist paraneoplastisch, Tumorsuche indiziert, schlechtere Therapie-Response
- NMDAR-Antikörper häufigster Befund (76% bei Kindern), gefolgt von MOG (5%) und GAD65 (2%)
- Liquor-Positivität (30,8%) häufiger als Serum-Positivität bei unklaren Epilepsien
- 92% der antikörper-positiven Patienten zeigen zusätzliche Zeichen der ZNS-Beteiligung (Liquor, MRT, EEG, FDG-PET)
- Alle Parameter negativ: Autoimmunenzephalitis unwahrscheinlich, aber seronegative Formen möglich
Grenzen
- Kommerzielle Immunblots können bei intrazellulären Antikörpern unspezifische Ergebnisse liefern
- Limitierte diagnostische Ausbeute kommerzieller gewebsbasierter Assays als Screening-Test
- Ungezielte Testung erhöht Falsch-Positiv- und Falsch-Negativ-Raten
- 42-50% der Autoimmunenzephalitis-Patienten sind antikörper-negativ trotz klinischer Kriterien
- Kontinuierlich neue Antikörper-Entdeckungen – Panel deckt nicht alle bekannten Antigene ab
- Kommerzielle rekombinante Proteine haben möglicherweise nicht die native Konformation
Literatur
- AWMF S2k-Leitlinie „Autoimmune Enzephalitiden“ (Registernummer 030-139), angemeldet Juni 2024
- Autoimmunenzephalitis – Ein Update. PMC9748390, 2022
- Kerstens J et al. Autoimmune encephalitis and paraneoplastic neurologic syndromes: nationwide study. Neurol Neuroimmunol Neuroinflamm. 2024;11(6):e200318
- Banwell B et al. Diagnosis of MOGAD: International Panel proposed criteria. Lancet Neurol 2023
- GENERATE – Deutsches Netzwerk zur Erforschung autoimmuner Enzephalitiden (generate-net.de)
- Stand: 2026-01-20