AAK-Typ-1-Diabetes mellitus
Inhalt
AAK-Typ-1-Diabetes mellitus
Inhalt
Probennahme
Indikation
- Differenzialdiagnostik zwischen Typ-1- und Typ-2-Diabetes bei unklarer Diabetesklassifikation
- Diagnostik bei klinischem Verdacht auf Typ-1-Diabetes, insbesondere bei Erwachsenen über 35 Jahren
- Abgrenzung des LADA (Late Autoimmune Diabetes in Adults) vom klassischen Typ-2-Diabetes
- Risikobeurteilung bei erstgradigen Verwandten von Typ-1-Diabetikern
- Früherkennung der prädiabetischen Phase bei Risikopatienten
- Prognoseeinschätzung der Insulinpflichtigkeit bei neu diagnostiziertem Diabetes
- Diagnostik bei Gestationsdiabetes mit Verdacht auf autoimmune Genese
- Verlaufsbeurteilung bei bereits bekannten Autoantikörperbefunden
- Material: Serum, 1-2 ml für alle Parameter aus einer Probenentnahme
- Nüchternheit: Nicht erforderlich
- Stabilität: Bei +4°C bis zu 2 Wochen, bei -20°C über Monate stabil
- Besonderheit IAA: Bestimmung nur vor Insulintherapie aussagekräftig
- Probenentnahme möglichst zeitnah zur Diabetesmanifestation
- Keine besonderen Störfaktoren bekannt
- Hinweis: Simultane Bestimmung aller Parameter aus einer Probe empfohlen
Interpretation
Allgemeines
Diese Kombination vereint fünf etablierte Autoantikörper zur umfassenden Autoimmundiagnostik des Typ-1-Diabetes: GAD65-Antikörper (gegen Glutamatdecarboxylase), IA-2-Antikörper (gegen Tyrosinphosphatase), ZnT8-Antikörper (gegen Zink-Transporter 8), Insulin-Autoantikörper (IAA) und Inselzellantikörper (ICA). Der kombinierte Nachweis von Antikörpern gegen GAD65, IA2, ZnT8 und Insulin ermöglicht es, Diabetes mellitus Typ 1 in 98 % der Fälle schon bei Krankheitsbeginn zu erkennen. Die Auswahl dieser spezifischen Parameter beruht auf ihrer komplementären Funktion: Sie erfassen verschiedene Zielantigene der Autoimmunreaktion gegen pankreatische β-Zellen und erhöhen dadurch die diagnostische Sensitivität erheblich gegenüber Einzeltests. Grundsätzlich wird in der Leitlinie aber die Bestimmung von Autoantikörpern in Kombination mit einer nachgewiesenen Hyperglykämie als diagnostisch für einen autoimmunen Typ-1-Diabetes angesehen.
Beurteilung
Typische Muster:
- 2 oder mehr positive Autoantikörper: Positiver Nachweis von ≥ 2 Antikörpern: hohes Risiko, an Typ-1a-Diabetes zu erkranken. Ca. 70 % der Patienten erkranken innerhalb der folgenden 10 Jahre
- Isoliert GAD65-positiv: Hinweis auf LADA, GADA sind die sensitivsten Marker für einen im Erwachsenenalter einsetzenden T1DM sowie für den latenten autoimmunen Diabetes im Erwachsenenalter (LADA)
- IA-2 und/oder ZnT8 positiv: Antikörper gegen IA-2 und gegen ZnT8 weisen bei prädiabetischen Patienten ein besonders hohes Progressions risiko für die Manifestation des DM1 auf
- Alle Parameter negativ: Autoimmundiabetes sehr unwahrscheinlich, idiopathischer Typ-1-Diabetes möglich
- ICA positiv + spezifische AK negativ: Unspezifische Reaktion, weitere Abklärung erforderlich
Grenzen
- Die Bestimmung von Inselzellantikörpern wird nicht mehr empfohlen – dennoch in dieser Kombination enthalten für historische Vergleichbarkeit
- IAA-Bestimmung nach Insulinbeginn nicht verwertbar
- 5-10 % der erwachsenen Betroffenen keine derartigen Autoimmun-Antikörper haben
- Methodische Variabilität zwischen verschiedenen Testformaten, besonders bei GADA
- Keine Referenzstandards für IAA und ZnT8A verfügbar
- Antikörpertiter nehmen nach Diabetesmanifestation ab (Ausnahme: GAD65)
Literatur
- AWMF-Leitlinien Therapie des Typ-1-Diabetes und Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus im Kindes- und Jugendalter
- Konsensusleitlinie zur optimalen Versorgung von Kindern mit positiven Inselautoantikörperbefunden 2024
- Deutsche Diabetes Gesellschaft: S3-Leitlinie Therapie des Typ-1-Diabetes, Version 2.1, 2024
- ADA/EASD-Consensus-Report zur Typ-1-Diabetes-Diagnostik
- American Diabetes Association: Standards of Medical Care in Diabetes 2024
- Stand: 2026-01-20