3-Methoxytyramin (Harn)
Inhalt
3-Methoxytyramin (Harn)
Inhalt
Probennahme
Indikation
- Verdacht auf Phäochromozytom
- Verdacht auf Dopamin-produzierende Tumore
- Verdacht auf Paragangliom
- Neuroblastom
- Abklärung therapieresistenter Hypertonie
- Differenzierung von hereditären Formen von Phäochromozytom/Paragangliom
- Screening auf Metastasen bei Tumoren >5 cm oder SDHB-Mutationen
Material: 24h-Sammelurin oder Spontanurin
Sammlung: Sammlung über Salzsäure (pH 2-4) oder über 5 ml Eisessig
Sammelzeit und Sammelmenge auf Anforderungsschein angeben
Stabilität: Bei tiefgefrorenem Urin und Analyse innerhalb einer Woche ist Säurezusatz nicht erforderlich; Lagerung >3 Tage: gefroren (-20°C) oder gekühlt
Präanalytische Hinweise: Medikamente 1 Woche vorher absetzen (Antihypertensiva, MAO-Hemmer, L-Dopa etc.); 3 Tage vor Sammlung Verzicht auf Kaffee, Alkohol, Bananen, Schokolade, Käse etc.
Während der Sammelperiode starke körperliche Aktivität vermeiden
Interpretation
Allgemeines
3-Methoxytyramin ist ein o-methylierter Metabolit von Dopamin, der durch die Katechol-O-Methyltransferase (COMT) in den Zellen des Nebennierenmarks und in Tumorzellen gebildet wird. Die Metabolite sind stabiler und daher einfacher zu detektieren als die Ausgangskatecholamine. 3-Methoxytyramin weist auf aggressivere Tumore hin und charakterisiert 70% der Patienten mit SDHB- und SDHD-Genmutationen. Der Metabolit zeigt im Urin ähnliche Sensitivität wie Dopamin bei erhöhter metabolischer Stabilität.
Beurteilung
- Dopamin-produzierenden Tumoren (Phäochromozytom, Paragangliom)
- Neuroblastom
- SDHB- und SDHD-Genmutationen (70% der Fälle)
- Aggressiveren Tumoren mit Metastasierungsrisiko
- Keine klinisch relevanten Erniedrigungen beschrieben
Werte höher als 2-3 mal der oberen Grenze des Referenzbereiches machen das Vorliegen eines Paraganglioms/Phäochromozytoms sehr wahrscheinlich.
Hinweis: Referenzbereiche sind laborabhängig und altersabhängig
Grenzen
- Medikamenteninterferenzen: Antihypertensiva, MAO-Hemmer, L-Dopa, Paracetamol, trizyklische Antidepressiva
- Nahrungsmittelinterferenzen: Kaffee, Tee, Alkohol, Bananen, Schokolade, Käse
- Abhängig von korrekter Urinsammlung und Compliance des Patienten
- Interferenzen durch Stress und körperliche Aktivität
- Methodische Kreuzreaktivitäten mit strukturähnlichen Substanzen
Literatur
Lenders JWM et al. Pheochromocytoma and paraganglioma: An endocrine society clinical practice guideline. J Clin Endocrinol 2014;99(6):1915-42
Schlegel N, Meir M, Reibetanz J et al. Personalisierte Therapie des Phäochromozytoms. Chirurgie 2024;95:200-206
Neumann H et al. Pheochromocytoma and paraganglioma. N Engl J Med 2019;381(6):552-65
Thomas L. Labor und Diagnose. 9. Auflage, TH-Books 2019
- Stand: 2026-01-15