Aldosteron-Renin-Quotient (ARQ)

Aldosteron-Renin-Quotient (ARQ)

Themenübersicht

Allgemeines

  • Die Bestimmung des AldosteronRenin-Quotienten (ARQ) wird in der Differenzialdiagnostik bei Hypertonieabklärung als Screeningverfahren zum Ausschluss eines primären Hyperaldosteronismus (Conn-Syndrom) eingesetzt.
  • Nicht supprimierbare (primäre) Hypersekretion von Aldosteron ist eine unterdiagnostizierte Ursache von Hypertonie. Die klassischen Zeichen von primärem Hyperaldosteronismus sind Hypertonie und Hypokaliämie, aber Normokaliämie kann sogar häufiger bei primärem Hyperaldosteronismus auftreten als Hypokaliämie.
  • Exzessive Sekretion von Aldosteron ist mit erhöhtem Risiko für kardiovaskuläre Erkrankung und Morbidität assoziiert, inklusive linksventrikulärer Hypertrophie, Vorhoffflimmern, Myokardinfarkt und Schlaganfall.

Indikation

  • Hypertonie und Hypokaliämie
  • Therapieresistente Hypertonie (≥3 Medikamente)
  • Adrenales Inzidentalom
  • Arterielle Hypertonie bei jüngeren Patienten (z. B. < 30 Jahre)
  • Schwere Hypertonie (≥150 mmHg systolisch oder ≥10 mmHg diastolischer Blutdruck)
  • Vd. primärer oder sekundärer Hyperaldosteronismus
  • Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom

Material

EDTA-Röhrchen

  • 2 volle EDTA-Röhrchen oder jeweils ein EDTA- (für Renin) und ein Serum-Röhrchen (für Aldosteron)
  • Die Tageszeit und die Lage des Patienten (Rückenlage oder aufrecht) sind zu notieren.
  • Da die Ausscheidung von Renin und Aldosteron durch zahlreiche Faktoren beeinflusst wird (Alter, Haltung, Natrium- und Kaliumhaushalt, Tageszeit, Menstruationszyklus usw.), muss die Bestimmung dieser Hormone unter genau kontrollierten Bedingungen durchgeführt werden.
  • Die EDTA enthaltenden Röhrchen für die Entnahme nicht vorkühlen und nicht in ein Eisbad stellen, sondern das Blut bei Raumtemperatur behandeln.
  • Proben zeitnah ins Labor bringen oder sofort nach Entnahme bei Raumtemperatur zentrifugieren.

Durchführung

Durchführungsort/-orte:

MZLA - Standort Altenburg
Durchführungsfrequenz
werktags
alle 3 Tage
an anderen Tagen
nein

Referenzbereich

< 50 (Der Quotient ist dimensionslos. Für die Berechnung werden Aldosteron und die Renin-Konzentration (beide in [pg/ml]) verwendet.)

Beurteilung der Ergebnisse

siehe Befund

Grenzen des Verfahrens

Faktor
Effekt auf Aldosteron
Effekt auf Renin
Effekt auf den ARQ
Medikamente
Beta-Blocker
↓↓
↑ (falsch positiv)
Antisympathotonika (Clonidin, α-Methyldopa)
↓↓
↑ (falsch positiv)
NSAR
↓↓
↑ (falsch positiv)
K+-ausscheidende Diuretika (Thiazide, Schleifendiuretika)
→↑
↑↑
↓ (falsch negativ)
K+-sparende Diuretika (Spironolacton, Eplerenon)
↑↑
↓ (falsch negativ)
ACE-Hemmer
↑↑
↓ (falsch negativ)
AT1-Antagonisten (Sartane)
↑↑
↓ (falsch negativ)
Calcium-Antagonisten (Dihydropyridine, Nifedipin-Typ)
→↓
↓ (falsch negativ)
Renin-Inhibitoren
↑ (Direkte Renin-Konzentration (DRC))
↓ (falsch negativ (DRC))
↓ (Plasma-Renin-Aktivität (PRA))
↑ (falsch positiv (PRA))
Kalium-Status
Hypokaliämie
→↑
↓ (falsch negativ)
Kalium-Infusion
→↓
↑ (falsch positiv)
Salz-Zufuhr, Diät
Salz-Restriktion
↑↑
↓ (falsch negativ)
Salz-Liberation
↓↓
↑ (falsch positiv)
Alter, zunehmendes
↓↓
↑ (falsch positiv)
Prämenopausal (im Vergleich zu Männern)
→↑
↑ (falsch positiv)
Diverses
Niereninsuffizienz
↑ (falsch positiv)
Pseudohypoaldosteronismus Typ 2
↑ (falsch positiv)
Schwangerschaft
↑↑
↓ (falsch negativ)
Renovaskuläre Hypertonie
↑↑
↓ (falsch negativ)
Maligne Hypertonie
↑↑
↓ (falsch negativ)
  • Von 425 in einer Spezialsprechstunde betreuten Hypertoniepatienten hatten 49 Patienten eine PHA (11 Prozent; 61 Prozent davon normokaliämisch, 39 Prozent hypokaliämisch). Der ARQ >50 bei absolutem Serum-Aldosteron> 150 pg/mL erwies sich mit einer Sensitivität von 84 Prozent und einer Spezifität von 97 Prozent als zuverlässiger Test:
    • positiver prädiktiver Wert 85 Prozent,
    • negativer prädiktiver Wert 97 Prozent

Weiterführende Untersuchungen

Bestätigungstest:

  • Salzbelastungstest (2 l NaCl 0,9% über 4 h i.v.): bei einem Aldosteronspiegel von > 50 ng/l wird der primäre Hyperaldosteronismus bestätigt
  • Fludrocortison-Hemmtest: bei einem Aldosteronspiegel von > 60 ng/l wird der primäre Hyperaldosteronismus bestätigt
  • Bei positivem Bestätigungstest erfolgt weitere Diagnostik durch Bildgebung:
    • MRT oder
    • Dünnschicht-CT der Nebennieren

Literatur

  • Funder 2016 JCEM
  • Burello 2020 Hypertension (Prävalenz PHA:7.8 %)
  • Mosso 2003 Hypertension (Prävalenz PHA:6.0 %)
  • Rossi 2006 JACC (Prävalenz PHA:4.8 %)
  • Omura 2004 Hypertension Res (Prävalenz PHA: 6.0 %)
  • Stowasser 2003 J Hypertens
  • Monticone 2017 JACC (Prävalenz PHA: 5.9 %)
  • Mulatero 2004 J Clin Endocrinol Metabol
  • Brown 2017 Ann Int Med
  • Brown 2020 Ann Int Med (Prävalenz PHA: 11.3 – 22.05 %)
  • Milliez 2005 JACC
  • Young 2020 uptodate
  • Vieweg 1992 Am J Physiol
  • Siragy 1995 J Clin Endocrinol Metab
  • Rossier 2015 Physiol Rev
  • Griffin 2020 Circulation
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Literatur