ACTH

Allgemeines

  • ACTH (Adrenocorticotropin, auch Adrenocorticotropes Hormon genannt) ist ein Peptidhormon der Adenohypophyse und stimuliert die Bildung und Sekretion von Glucocorticoiden aus der Zona glomerulosa der Nebennierenrinde
  • Die Vorstufe = POMC (Pro-Opiomelanocortin)
  • Reguliert durch CRH (Corticotropin-Releasing Hormone) und negative Rückkopplung in Folge von hohen Glucocorticoid-Konzentrationen im Blut
  • Aufgrund der tageszeitlichen Schwankungen des ACTH sollte die Blutentnahme zu einem klar definierten Zeitpunkt erfolgen

Indikation

  • Differenzialdiagnostik
    • des Cushing-Syndroms
    • von autonomen ACTH-bildenden hypophysären Geweben
    • Hypopituitarismus mit ACTH-Mangel
    • ektopischen ACTH-Syndrom
  • im Rahmen eines ACTH-Stimulationstest zur Diagnostik bei Nebennierenrindeninsuffizienz und Adrenogenitalem Syndrom

Material

Sarstedt EDTA-Monovette 2,7 ml
BD EDTA-Vacutainer 3,0 ml
  • 3 ml EDTA-Blut

Aufgrund der tageszeitlichen Schwankungen des ACTH sollte die Blutentnahme zu einem klar definierten Zeitpunkt erfolgen:

  • Bei Verdacht auf Nebennierenrinden-Insuffizienz morgens (s. u.)
  • Bei Verdacht auf Cushing-Syndrom jederzeit

Nach Blutentnahme:

  • unmittelbar gekühlt zentrifugieren
  • abgetrenntes Plasma bei -20°C einfrieren
Stabilität
Raumtemperatur
2 Stunden, sofort einfrieren
2 – 8°C
3 Stunden
-20 °C
10 Wochen

Probe darf nur einmal eingefroren werden.

Ansatz- / Messzeiten

täglich

Referenzbereich

7.2 – 63.3 pg/ml (bei Blutentnahme zwischen 07:00 und 10:00 Uhr)

Einheitenrechner

ACTH: pg/ml
ACTH: pmol/l

Beurteilung der Ergebnisse

Abnahme-Zeit:

  • Bei Verdacht auf Nebennierenrinden-Insuffizienz sollte die Blutentnahme möglichst morgens erfolgen, wenn die Plasma-ACTH und -Cortisol-Spiegel am höchsten sind.
  • Bei Verdacht auf unterschiedliche Formen des Cushing-Syndroms kann die Blutentnahme zu jederzeit erfolgen.

Abnahme-Bedingungen:

  • Sowohl bei normalen Probanden als auch bei Patienten mit Nebennieren-Erkrankung steigt die ACTH-Sekretion unter Stress: Deshalb sollten Blutentnahme aus liegenden Kathetern entnommen werden.

Erhöhte Werte:

  • Cushing-Syndrom
  • Nebennierenrinden-Insuffizienz
  • ektopisches ACTH-Syndrom (z.B. paraneoplastisch bei kleinzelligem Lungenkarzinom (SCLC))
  • Stress oder Kälte
  • Depression

Erniedrigte Werte:

  • Hypopituitarismus (v.a. Tumoren der Hypophyse)
  • Sheehan-Syndrom
  • Kortikoid-Gabe

Der ACTH Test verwendet zwei monoklonale Antikörper, die für ACTH (9‑12) und die C‑terminale Region (ACTH 36‑39) spezifisch sind.

Aufgrund der gemeinsamen Antigenstruktur erkennen die Antikörper intaktes, biologisch aktives ACTH 1‑39 sowie die ACTH-Vorläufer POMC und pro‑ACTH.

Entität
Plasma-ACTH
Serum-Cortisol
Primäre NNR-Insuffizienz
Morgens ↑
Sekundäre oder tertiäre NNR-Insuffizienz
Cushing-Syndrom (NNR-Tumor, …)
Cushing-Krankheit (ACTH-prod. Tumor, …)
↑ auch am Abend

Grenzen des Verfahrens

ACTH-Konzentrationen unterliegen einer Tagesschwankung, wobei hohe Spiegel morgens und niedrige Spiegel abends auftreten. Wie auch im Falle von Cortisol ist es für die Interpretation der Ergebnisse wichtig, den Entnahmezeitpunkt der Plasmaprobe zu kennen.

Bei unschlüssigen Ergebnissen sind Mehrfachbestimmungen aus Blutentnahmen, die zur gleichen Tageszeit entnommen wurden, notwendig.

Methode

ECLIA (Elektrochemilumineszenz-ImmunoAssay):

Sandwichprinzip: Spezifische Antikörper binden das gesuchte Antigen und haften über Streptavidin an eine Festphase. Im darauf folgenden Waschvorgang wird das gebundene und fixierte Antigen von den übrigen Substanzen des Untersuchungsmaterials  isoliert. Ein zweiter Antikörper, der an einen Ruthenium-Komplex gekoppelt ist, bindet ebenfalls das gesuchte Antigen und erzeugt beim Anlegen einer elektrischen Spannung ein messbares Lichtsignal.

Literatur

  • Beauregard C, Dickstein G, Lacroix A. Classic and recent etiologies of Cushing’s syndrome: diagnosis and therapy. Treat Endocrinol 2002;1:79-94.
  • Napier C, Pearce SHS. Current and emerging therapies for Addison’s disease. Curr Opin Endocrinol Diabetes Obes 2014;21:147-153.
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Methode
Literatur