Zika-Viren (IgG+IgM)
Inhalt
Zika-Viren (IgG+IgM)
Inhalt
Probennahme
Indikation
- Verdacht auf Zika-Virus-Infektion bei Reiserückkehrern aus Endemiegebieten mit kompatiblen Symptomen (>7 Tage nach Symptombeginn)
- Diagnostik bei Patienten mit >28 Tagen nach Symptombeginn, wenn nur noch serologischer Nachweis möglich
- Screening asymptomatischer schwangerer Frauen nach Aufenthalt in Zika-Ausbruchsgebieten
- Untersuchung von Männern mit schwangerer Partnerin nach Rückkehr aus Endemiegebieten
- Abklärung bei Verdacht auf kongenitales Zika-Virus-Syndrom
- Diagnostik nach möglicher sexueller Übertragung
- Bestimmung der Seroprävalenz in Endemiegebieten
- Immunitätsstatus-Bestimmung vor Reisen in Risikogebiete
- Material: Serum oder Plasma
- Nüchternheit: Nicht erforderlich
- Zeitfenster: IgM-Nachweis optimal ab Tag 4 nach Symptombeginn, IgG für Serokonversion und Langzeitnachweis
- Stabilität: Serum 7 Tage bei 2-8°C, längere Lagerung bei -20°C
- Störfaktoren: Kreuzreaktivitäten mit Dengue-, Gelbfieber-, Japanische Enzephalitis- und West-Nil-Viren möglich
- Hinweis: Beide Parameter aus einer Probenentnahme bestimmbar
Interpretation
Allgemeines
Diese Kombinationsdiagnostik vereint die Bestimmung von ZIKV-spezifischen IgM- und IgG-Antikörpern mittels ELISA zur umfassenden serologischen Abklärung einer Zika-Virus-Infektion. Die Kombination beider Antikörperklassen ermöglicht eine zeitfenstergerechte Diagnostik: IgM-Antikörper sind ab dem 4. Tag nach Symptombeginn nachweisbar und persistieren mindestens 12 Wochen, während IgG-Antikörper später auftreten, aber dauerhaft persistieren und als Marker für Serokonversion und Seroprävalenz dienen. Die simultane Testung beider Parameter ist besonders wichtig, da die Interpretation von ZIKV-Serologie durch Kreuzreaktivitäten mit anderen Flaviviren wie Dengue-Virus erschwert wird. Diese Kombination ist insbesondere dann indiziert, wenn mehr als 7-8 Tage seit Symptombeginn vergangen sind und ein direkter Erregernachweis nicht mehr möglich ist.
Beurteilung
Typische Interpretationsmuster:
- IgM positiv + IgG negativ: Frühe akute Infektion (Tag 4-12 nach Symptombeginn)
- IgM positiv + IgG positiv: Akute bis subakute Infektion mit beginnender Serokonversion
- IgM negativ + IgG positiv: Zurückliegende Infektion, erworbene Immunität
- IgM persistierend positiv (>12 Wochen): Verlängerte IgM-Persistenz, Verlaufskontrollen erforderlich
- IgM negativ + IgG negativ: Keine Infektion oder zu früher Testzeitpunkt
- Grenzwertige/positive Befunde: Bestätigung durch Neutralisationstest (PRNT) erforderlich
Grenzen
- Kreuzreaktivitäten mit anderen Flaviviren (Dengue, West-Nil, Gelbfieber, Japanische Enzephalitis)
- Variable Sensitivität: 5,6-27,8% in akuter Phase, 23,5-97,1% in konvaleszenter Phase
- Falsch-positive IgM-Ergebnisse durch kreuzreagierende Antikörper oder unspezifische Reaktivität
- Erschwerte Differenzierung bei vorheriger Flavivirus-Exposition oder -Impfung
- Spezifität 63,3-100% je nach verwendetem Test
- Keine Aussage über Infektiosität möglich
Literatur
- Robert Koch-Institut: Zikavirus-Infektionen – Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQ), aktualisiert 2025
- PLoS One 2021; Evaluation of eight commercial Zika virus IgM and IgG serology assays
- CDC MMWR 2016; Interim Guidance for Interpretation of Zika Virus Antibody Test Results
- Diagnostics 2020; Accuracy of the Zika IgM Antibody Capture ELISA for Diagnosis
- Bernhard-Nocht-Institut: Empfehlungen zur Diagnostik der Zika Virus-Infektion, 2016
- Stand: 2026-06-13