Zöliakie/Sprue-Status
Inhalt
Zöliakie/Sprue-Status
Inhalt
Probennahme
Indikation
- Primäre Zöliakiediagnostik bei klinischem Verdacht
- Screening bei Verwandten ersten Grades von Zöliakie-Patienten
- Diagnostik bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen oder selektivem IgA-Mangel
- Verlaufskontrolle alle 1-2 Jahre bei Kindern und Jugendlichen mit negativer Erstdiagnostik
- Verlaufskontrolle unter glutenfreier Diät zur Überprüfung der Compliance
- Abklärung unspezifischer Symptome (Anämie, Osteopenie, neurologische Manifestationen)
- Bestätigungsdiagnostik bei stark erhöhten tTG-IgA-Werten (>10-fach der Norm)
- Material: Serum
- Nüchternheit: Nicht erforderlich
- Essentiell: Glutenhaltige Ernährung mindestens 3 Monate vor Probenentnahme
- Gleichzeitige Bestimmung von Gesamt-IgA zum Ausschluss eines IgA-Mangels
- Stabilität: 7 Tage bei 2-8°C, längerfristig bei -20°C
- Störfaktoren: Immunsuppressiva können Antikörpertiter reduzieren
Interpretation
Allgemeines
Diese umfassende Antikörper-Kombination folgt der aktuellen S2k-Leitlinie (2022) und ermöglicht eine serologische Stufendiagnostik der Zöliakie. Die Kombination von Endomysium- und Transglutaminase-IgA-Antikörpern erreicht eine Sensitivität und Spezifität von nahezu 100% in der Zöliakiediagnostik. Da bis zu 6% der Zöliakiepatienten einen IgA-Mangel aufweisen, werden parallel IgG-Antikörper bestimmt. Die tTG-IgA-Antikörper gelten als höchst treffsicher im Vergleich zu anderen Markern. Die Auswahl dieser sechs Parameter gewährleistet sowohl die primäre Diagnostik als auch die Kompensation bei IgA-Mangel durch die entsprechenden IgG-Klassen.
Beurteilung
Typische Befundmuster:
- tTG-IgA >10-fach erhöht + Endomysium-IgA positiv: Zöliakie sehr wahrscheinlich, bei Kindern kann auf Biopsie verzichtet werden
- tTG-IgA positiv aber <10-fach erhöht: Bioptische Abklärung erforderlich
- Bei IgA-Mangel: IgA-Tests falsch negativ, IgG-Antikörper gegen tTG oder deamidierte Gliadinpeptide relevant
- Alle IgA-Parameter negativ + IgG-Parameter positiv: V.a. IgA-Mangel
- Gering erhöhte Titer + symptomfrei: Kontrolle nach 3-6 Monaten (mögliche transiente Erhöhung)
- Unter glutenfreier Diät: Normalisierung der Antikörper zeigt gute Compliance an
Grenzen
- IgA-Antikörper gegen deamidierte Gliadinpeptide haben geringere Sensitivität und Spezifität
- Bei IgA-Mangel (bis 6% der Zöliakiepatienten) sind IgA-Tests falsch negativ
- Unter glutenfreier Ernährung sinken Antikörper ab – keine sichere Aussage bei unauffälligen Werten möglich
- Transiente Erhöhung bei Virusinfektionen möglich
- Methodische Variation bei deamidierten Gliadinpeptid-Tests verschiedener Hersteller
Literatur
- Aktualisierte S2k-Leitlinie der DGVS: Zöliakie. AWMF-Register-Nr. 021-021 (2021)
- ESPGHAN Guidelines: Diagnosis of Paediatric Coeliac Disease (2020)
- Labor-Diagnostik der Zöliakie. IMD Berlin (2024)
- Deutsche Zöliakie-Gesellschaft: Antikörpertests in der Zöliakiediagnostik (2024)
- Stand: 2026-06-13