Spez. IgE Avocado
Inhalt
Spez. IgE Avocado
Inhalt
Probennahme
Indikation
- Verdacht auf IgE-vermittelte Nahrungsmittelallergie bei anamnestisch verdächtigen Reaktionen nach Avocado-Verzehr
- Latex-Frucht-Syndrom: Screening bei bekannter Latexallergie (30-50% der Latex-Allergiker entwickeln Kreuzreaktionen)
- Orales Allergiesyndrom mit Juckreiz, Rötung oder Bläschenbildung im Mundbereich nach Avocado-Konsum
- Systemische allergische Reaktionen unklarer Genese bei Verdacht auf Nahrungsmittelallergie
- Ergänzung zum Hautpricktest bei Kontraindikationen oder zur Erhöhung der diagnostischen Sicherheit
- Primäre Diagnostik bei kleinen Kindern, Hautveränderungen, Antihistaminika-Einnahme oder Z.n. schweren anaphylaktischen Reaktionen
- Verlaufskontrolle bei bekannter Avocado-Allergie
- Abklärung von Kreuzreaktionen bei anderen Fruchtallergien
- Material: Serum, minimal 0,3 mL für eine Allergenbestimmung
- Nüchternheit: Nicht erforderlich
- Stabilität: Serum 7 Tage bei 2-8°C, längerfristige Lagerung bei -20°C
- Störfaktoren: Antihistaminika beeinflussen im Gegensatz zum Hauttest das Ergebnis nicht
- Gesamt-IgE sollte als Interpretationshilfe mitbestimmt werden
- Probentransport: Gekühlt, Zentrifugation und Aliquotierung in Kunststoffgefäß
- Hämolyse vermeiden
Interpretation
Allgemeines
Das spezifische IgE gegen Avocado richtet sich primär gegen das Hauptallergen Pers a 1, eine 32-kDa-Endochitinase der Klasse I mit einer Hevein-Domäne am N-Terminus. Chitinase-Enzyme werden von Pflanzen als natürlicher Abwehrmechanismus gegen Pilzinfektionen produziert. Die strukturelle Ähnlichkeit zwischen dem Avocado-Allergen Pers a 1 und dem Hevein-Protein (Hev b 6.02) aus Naturkautschuklatex mit 58%iger Identität der Hevein-Domäne erklärt die häufigen Kreuzreaktionen beim Latex-Frucht-Syndrom. Avocado gehört zu den latexassoziierten Nahrungsmittelallergenquellen und ist neben Banane, Kastanie und Kiwi eines der häufigsten Auslöser des Latex-Frucht-Syndroms. Die Bestimmung erfolgt mittels ImmunoCAP-FEIA-Technologie (Fluoro-immuno-enzymatic assay), bei der Allergen-spezifisches IgE an kovalent gekoppelte Allergene auf der ImmunoCAP-Matrix bindet.
Beurteilung
Erhöht:
- CAP-Klasse 3-6: Signifikante Erhöhung des spezifischen IgE, hohe Wahrscheinlichkeit klinischer Relevanz
- CAP-Klasse 2: Vermehrt spezifisches IgE vorhanden, mögliche klinische Relevanz
- Latex-Frucht-Syndrom: Kreuzreaktivität bei bestehender Latexallergie
- Primäre Avocado-Allergie durch Sensibilisierung gegen Pers a 1 (Endochitinase)
- Kosensibilisierung mit anderen latexassoziierten Früchten (Banane, Kiwi, Kastanie)
Erniedrigt:
- CAP-Klasse 0: Negativ, keine spezifischen IgE-Antikörper nachweisbar
- CAP-Klasse 1: Wenig spezifisches IgE, meist klinisch nicht relevant
- Erfolgreiche Allergenkarenz über längeren Zeitraum
- Natürliche Toleranzentwicklung (selten bei Erwachsenen)
Grenzen
- Sensibilisierungsnachweis bedeutet nicht automatisch klinische Relevanz – positive Ergebnisse sind eher richtig als falsch-negative
- Goldstandard bleibt die orale Nahrungsmittelprobe bei unklaren Fällen
- Pers a 1 wird durch Magensäure rasch abgebaut, was die klinische Relevanz reduzieren kann
- Kochprozesse können die Allergenität vermindern
- Individuelle Unterschiede in der Kreuzreaktivität – nicht alle Latex-Allergiker reagieren auf Avocado
- Nachweisgrenze bei 0,1 kUA/l, sehr niedrige Werte können übersehen werden
- Kreuzreaktivität erschwert die Interpretation bei Mehrfachsensibilisierungen
Methode
CAP
Einheit
Referenzbereiche
Geschlecht | Referenzbereich / Entscheidungsgrenzen | |
|---|---|---|
Altersabhängige Referenzbereiche werden auf dem Befund ausgegeben und können im Labor erfragt werden. | ||
Allgemein | (Rastklasse) | |
Weiblich | ||
Männlich | ||
- Stand: 2026-06-13