Akanthozyten

Inhalt

Akanthozyten

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Probennahme

Harn

Indikation

  • Abklärung der Ätiologie einer Mikrohämaturie zur Differenzierung zwischen glomerulärer und nicht-renaler Genese
  • Früherkennung glomerulärer Nierenerkrankungen bei persistierender asymptomatischer Hämaturie
  • Screening auf Glomerulonephritiden bei Verdacht auf primäre Nephritiden (IgA-Nephropathie, Alport-Syndrom)
  • Differenzialdiagnostik zwischen glomerulären und post-glomerulären Blutungsquellen
  • Verlaufskontrolle bei bekannter Glomerulonephritis zur Aktivitätsbeurteilung
  • Abklärung unklarer Proteinurie in Kombination mit Hämaturie
  • Screening im Rahmen von Familienanamnesen bei erblichen Nephritiden
  • Evaluation vor geplanter Nierenbiopsie zur Erhärtung der Indikation


  • Material: Frisch gelassener Spontanurin, optimal Mittelstrahlurin
  • Probenmenge: 8-10 ml in sterilem Urinbecher
  • Nüchternheit: Nicht erforderlich
  • Zeitfaktor: Untersuchung innerhalb 1-2 Stunden nach Uringewinnung
  • Lagerung: Bei Raumtemperatur, nicht kühlen (Kälte-Artefakte)
  • Störfaktoren: Kontamination mit Menstrualblut, Harnwegsinfektionen
  • Präanalytische Qualität: Vermeidung längerer Standzeiten (Morphologie-Veränderungen)


Interpretation

Allgemeines

Diese Kombination vereint die Bestimmung von Akanthozyten und dysmorphen Erythrozyten im Spontanurin zur präzisen Differenzialdiagnose der Hämaturie und hoher Spezifität für glomeruläre Nierenerkrankungen. Akanthozyten sind ringförmige Erythrozyten mit charakteristischen Ausbuchtungen, die entstehen, wenn Erythrozyten durch kleinste Läsionen der glomerulären Basalmembran gedrückt werden. Die Kombination beider Parameter ermöglicht eine sichere Abgrenzung zwischen glomerulärer und nicht-glomerulärer Hämaturie mit hoher diagnostischer Präzision. Die Auswertung erfolgt mikroskopisch im Phasenkontrast und bietet ein stufenweises Beurteilungsschema.

Beurteilung

Typische Befundmuster:

  • Glomeruläre Hämaturie SICHER: Akanthozyten >5% oder dysmorphe Erythrozyten > 50 %
  • Glomeruläre Hämaturie MÖGLICH: dysmorphe Erythrozyten >20% aber <75% UND Akanthozyten <5%
  • Nicht-glomeruläre Hämaturie: Akanthozyten <5% UND dysmorphe Erythrozyten <20%
  • Grauzone: Dysmorpher Anteil 20-25% kann auch bei nicht-glomerulären Erkrankungen vorkommen
  • Beide Parameter normal bei >20 Erythrozyten/μl: Glomeruläre Ursache unwahrscheinlich
  • Isoliert erhöhte Akanthozyten: Hochspezifisch für aktive Glomerulonephritis


Grenzen

  • Methodische Abhängigkeit von Untersucherexpertise und technischer Ausstattung (Phasenkontrastmikroskop)
  • Standzeit-bedingte in-vitro Morphologie-Veränderungen verfälschen das Ergebnis
  • Begrenzte Sensitivität (nur 20,4%) bei hoher Spezifität (96,3%) für glomeruläre Erkrankungen
  • Falsch-positive Ergebnisse bei ausgeprägter Proteinurie ohne Glomerulonephritis möglich
  • Keine Aussage über histopathologische Subtypen der Glomerulonephritis
  • Geringe Erythrozytenzahl (<5/Gesichtsfeld) limitiert die Aussagekraft
  • Interferenz durch Kristalle, Bakterien oder andere Urinsedimentbestandteile


Literatur

  • Latta K, Boeckhaus J, Weinreich I, Borisch A, Müller D, Gross O: Clinical Practice Guideline: Microhematuria in Children and Young Adults—Evaluation for the Early Detection of Kidney Disease. Dtsch Arztebl Int 2024; 121: 461–466
  • S3-Leitlinie Diagnose und Therapie von Glomerulonephritiden, AWMF-Register Nr. 090-003
  • S3-Leitlinie Abklärung der Mikro-Hämaturie bei Kindern und jungen Erwachsenen, AWMF-Register Nr. 166-005, 2024
  • Köhler H, Wandel E, Brunck B: Acanthocyturia, a characteristic marker for glomerular bleeding. Kidney Int 1991; 40:115–120
  • DEGAM S3-Leitlinie: Versorgung von Patienten mit chronischer Nierenkrankheit, Version 2.0, 2024


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