Thyreoglobulin-Wiederfindung
Inhalt
Probennahme
Indikation
- Qualitätskontrolle der Thyreoglobulin-Bestimmung bei Schilddrüsenkarzinom-Nachsorge
- Nachsorge und Verlaufskontrolle differenzierter Schilddrüsenkarzinome nach Operation ± Radiojodtherapie
- Aufklärung falsch negativer Thyreoglobulin-Befunde bei Verdacht auf Interferenzen
- Bestimmung bei erhöhten Thyreoglobulin-Antikörpern (TAK)
- Validierung der Assay-Performance bei kritischen Therapieentscheidungen
- Abklärung von Tumorpersistenz, Rezidiv oder Metastasierung im Follow-up
- Nachsorge nach 131I-Ganzkörper-Szintigraphie und stimulierter Thyreoglobulin-Messung
- Beurteilung der Verlaufsdiagnostik bei wenig differenzierten Schilddrüsenkarzinomen
Präanalytik
- Material: Serum (keine besondere Behandlung erforderlich)
- Probenstabilität: Serum, tiefgefroren, taggleich (binnen 24 Stunden)
- Nüchternheit: Nicht erforderlich
- Störfaktoren: Heterophile Antikörper, Immunoassay-Interferenzen
- Biotin kann bei biotinbasierten Immunoassays Interferenzen verursachen
- Methodenkonstanz: Gleiche Methode für Verlaufskontrollen verwenden
- Parallel-Bestimmung von Anti-Thyreoglobulin-Antikörpern obligat
Interpretation
Allgemeines
Die Thyreoglobulin-Wiederfindung ist ein wichtiger Qualitätssicherungstest bei der Thyreoglobulin-Bestimmung mittels Chemilumineszenz-Immunoassay (CLIA). Hierbei wird eine definierte Menge humanes Thyreoglobulin zur Patientenprobe zugegeben und die prozentuale Wiederfindungsrate bestimmt. Der Test detektiert falsch negative Thyreoglobulin-Befunde durch Anti-Thyreoglobulin-Antikörper oder andere Interferenzen, die zu einer gestörten Wiederfindung führen können. Als Bestätigungstest für das humane Thyreoglobulin muss die Thyreoglobulin-Wiederfindung durchgeführt werden. Die Methode dient der Validierung der Thyreoglobulin-Messung als hochsensitiver Tumormarker in der Schilddrüsenkarzinom-Nachsorge.
Beurteilung
Normbereich:
- 70-130% (Referenzbereich der meisten Laboratorien)
Gestört (außerhalb 70-130%):
- Anti-Thyreoglobulin-Antikörper (TAK) stören die TG-Bestimmung
- Falsch negative Thyreoglobulin-Befunde durch Antikörper-Interferenzen
- Heterophile Antikörper und andere Immunoassay-Interferenzen
- Methodische Probleme der In-vitro-Diagnostika (IVDR-Compliance)
- Fehlende Sekretion von immunreaktivem Thyreoglobulin bei wenig differenzierten Karzinomen
- Hook-Effekt bei sehr hohen Thyreoglobulin-Konzentrationen
Grenzen
- Kontroverse Bewertung des Wiederfindungstests in aktuellen Leitlinien
- Empfohlen wird hingegen die TAK-Bestimmung parallel zum Thyreoglobulin
- Einige Testsysteme wurden aufgrund IVDR-Compliance vom Markt genommen
- Geringe Tumormasse wie bei kleinen Lymphknotenmetastasen kann zu falsch negativen Befunden führen
- Nicht geeignet als alleiniger Tumormarker
- Funktionelle Sensitivität der Assays sollte mindestens 0,5 µg/l betragen
CLIA
Referenzbereiche
Geschlecht | Referenzbereich / Entscheidungsgrenzen | |
|---|---|---|
Altersabhängige Referenzbereiche werden auf dem Befund ausgegeben und können im Labor erfragt werden. | ||
Allgemein | > 70 | |
Weiblich | ||
Männlich | ||
Literatur
- S3-Leitlinie Schilddrüsenkarzinom, Version 1.0, AWMF-Registernummer 031-056OL, Juli 2025
- 2022 ETA Consensus Statement: What are the indications for post-surgical radioiodine therapy in differentiated thyroid cancer? Eur Thyroid J. 2022 Jan 1;11(1):e210046
- DEGAM-Leitlinie S2k: Erhöhter TSH-Wert in der Hausarztpraxis, DEGAM 2024
- Thyreoglobulin-Antikörper in der Nachsorge des Schilddrüsenkrebses, Labormedizinische Standards 2024
- European Association of Nuclear Medicine (EANM) Guidelines for Radioiodine Therapy, 2023
- Stand: