Acylcarnitine
Inhalt
Acylcarnitine
Inhalt
Probennahme
Indikation
- Neugeborenenscreening zur Früherkennung angeborener Fettsäureoxidationsstörungen
- Verdacht auf mittelkettige Acyl-CoA-Dehydrogenase-(MCAD-)Mangel bei erhöhtem C8-Acylcarnitin
- Abklärung bei Verdacht auf Carnitin-Palmitoyltransferase-Defekte (CPT1/CPT2)
- Diagnostik des primären systemischen Carnitinmangels (SPCD)
- Carnitin-Acylcarnitin-Translokase-(CACT-)Mangel-Abklärung
- Verlaufskontrolle bei bekannten Fettsäureoxidationsstörungen unter Therapie
- Abklärung metabolischer Azidosen mit hypoketotischer Hypoglykämie
- Differenzialdiagnostik bei unerklärlichen Kardiomyopathien und Muskelschwäche im Säuglingsalter
- Material: EDTA-Plasma und/oder Trockenblut-Filterpapier
- Nüchternheit: Nicht erforderlich, idealerweise 36-48h postnatal bei Neugeborenen
- Stabilität: Trockenblut bei Raumtemperatur stabil, Plasma bei -20°C
- Transport: Trockenblut-Filterpapier bei Raumtemperatur, Plasma gekühlt
- Störfaktoren: Parenterale Ernährung, Antibiotika, Transfusionen können Ergebnisse beeinflussen
- Probenmenge: Wenige Tropfen Blut für Trockenblut, 500µl EDTA-Plasma
- Hämolyse vermeiden bei Plasma-Bestimmung
Interpretation
Allgemeines
Diese diagnostische Kombination vereint drei zentrale Parameter des Carnitinstoffwechsels zur umfassenden Beurteilung der mitochondrialen Fettsäureoxidation. Die Acylcarnitin-Bestimmung dient dem Nachweis von Störungen der Fettsäuremetabolisierung und erfolgt sowohl aus Trockenblut als auch Plasma. Acylcarnitine stellen die Transportform von Fettsäuren bei der Einschleusung in die Mitochondrien dar, wobei das Carnitin-Acyltransferase-System die Bildung von Acylcarnitin ermöglicht. Die Kombination mit der Messung des freien Carnitins ermöglicht die Beurteilung der Carnitin-Gesamtverfügbarkeit, da bei den meisten Carnitin-Zyklusdefekten die Konzentration von freiem Carnitin im Blut vermindert ist. Diese synergistische Testung ist essentiell für die Diagnostik im Rahmen des Neugeborenenscreenings auf angeborene Stoffwechselstörungen.
Beurteilung
Typische Muster bei Fettsäureoxidationsstörungen:
- MCAD-Mangel: Erhöhte C8-, C6-, C10- und C10:1-Acylcarnitine mit charakteristischer C8/C12-Ratio-Erhöhung, freies Carnitin normal bis erniedrigt
- CACT-Mangel: Sehr hohe langkettige Acylcarnitine (C16, C18, C18:1), freies Carnitin sehr niedrig
- Primärer Carnitinmangel: Sehr niedrige Plasmaspiegel von freiem und Gesamt-Carnitin (<5-10 µMol/L), normale bis niedrige Acylcarnitine
- CPT1-Mangel: Erhöhte Carnitinwerte im Blut, normale bis niedrige langkettige Acylcarnitine
- Alle Parameter normal: Fettsäureoxidationsstörungen unwahrscheinlich
- Grenzwertige Befunde: Kontrolluntersuchung und weitere Diagnostik erforderlich
Grenzen
- Falsch-normale Werte bei milder Ausprägung mancher Enzymdefekte
- Analytische Interferenzen bei hämolysereichem Material
- Beeinflussung durch Ernährungszustand und Medikamenteneinnahme
- Überlappung der Acylcarnitin-Profile verschiedener Störungen möglich
- Trockenblut-Analyse weniger sensitiv als Plasma-Bestimmung
- Carnitin-Supplementierung kann Interpretation erschweren
- Notwendigkeit der Korrelation mit klinischen Symptomen und Familienanamnese
Literatur
- AWMF-Leitlinie 024-012: Neugeborenen-Screening auf angeborene Stoffwechselstörungen (2025)
- Mayatepek E et al.: Angeborene Stoffwechselerkrankungen bei Kindern. Urban & Fischer 2016
- Wendel U, Lindner M, Bettendorf M: Lehrbuch der Pädiatrischen Stoffwechselmedizin. Schattauer 2009
- AWMF-Leitlinie 027-021: Konfirmationsdiagnostik bei Verdacht auf angeborene Stoffwechselkrankheiten aus dem Neugeborenenscreening
- Orphanet Leitlinien zu Carnitin-Zyklusdefekten und MCAD-Mangel (2024)
- Stand: 2026-02-12