Zonulin (Serum)
Inhalt
Probennahme
Indikation
- Verdacht auf erhöhte Darmpermeabilität („Leaky-Gut-Syndrom“)
- Diagnostik bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, Zöliakie, Diabetes mellitus und anderen Autoimmunerkrankungen
- Kontrolle nach antibiotischer Therapie bei vermuteter gestörter Darmflora
- Therapieverlaufskontrolle, z.B. bei Zöliakie unter glutenfreier Diät
- Diagnostik bei Depression sowie nach extremsportlicher Belastung
- Abklärung unspezifischer gastrointestinaler Beschwerden
Präanalytik
Material: Serum
Nüchternheit: Nicht erforderlich
Stabilität: Probeneingang im Labor innerhalb von 24 Stunden gewährleistet sein, maximale Transportdauer 2 Tage
Lagerung/Transport: Gekühlt bei 2-8°C, Probe wenn möglich direkt nach Entnahme versenden
Störfaktoren: Hämolyse, Lipämie können die Messung beeinträchtigen
Interpretation
Allgemeines
Zonulin ist eine Vorstufe des Haptoglobins und entspricht dem Zonula-occludens-Toxin (ZOT) von Vibrio cholerae. Zonulin ist der bisher einzige bekannte physiologische Modulator von interzellulären Tight Junctions, der am Transport von Makromolekülen und damit am Gleichgewicht zwischen Toleranz und Immunantwort beteiligt ist. Das Protein löst wahrscheinlich durch Lockerung der Tight Junctions eine Steigerung des parazellulären Stofftransports durch die Epithelbarriere aus. Zonulin wird bei diversen Stimuli von Epithelzellen der Darmschleimhaut und der Leber abgegeben und reguliert die Öffnung von Tight Junctions, wodurch eine erhöhte intestinale Permeabilität bewirkt wird.
Beurteilung
Erhöht bei:
- Chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (M. Crohn, Colitis ulcerosa)
- Zöliakie
- Diabetes mellitus und anderen Autoimmunerkrankungen
- Gestörter Darmbarriere nach antibiotischer Therapie
- Nahrungsmittelunverträglichkeiten (Laktoseintoleranz, Fruktosemalabsorption)
- Exokriner Pankreasinsuffizienz und Infektionen
Erniedrigt bei:
- Intakte Darmbarrierefunktion (Normalwerte)
Erhöhte Zonulin-Werte in Serum deuten auf eine erhöhte Permeabilität hin. Bei darmgesunden Probanden liegt der mediane Zonulinspiegel bei 45,9 ng/ml (Q1-Q3 38,7-55,6 ng/ml). Referenzbereiche sind laborabhängig.
Grenzen
- Die klinische Relevanz des Zonulins ist ebenso wie das Krankheitsbild des Leaky-Gut-Syndroms wissenschaftlich umstritten, da die Fokussierung auf ein Markerprotein der Komplexität pathophysiologischer Abläufe nicht gerecht wird
- Zwischen Zonulin und I-FABP besteht nicht immer Korrelation, ein auffälliger Marker ist jedoch ausreichend für die Diagnosestellung
- Zonulin wird nur bei inflammatorischen Signalen und intakten Darmepithelzellen produziert, normalisiert sich in chronischen Phasen
- Der Zonulin-Test ist kein Teil der gastroenterologischen Routinediagnostik und wird in Deutschland nicht von der GKV erstattet
- Methodische Interferenzen durch Hämolyse oder Lipämie möglich
EIA
Referenzbereiche
Geschlecht | Referenzbereich / Entscheidungsgrenzen | |
|---|---|---|
Altersabhängige Referenzbereiche werden auf dem Befund ausgegeben und können im Labor erfragt werden. | ||
Allgemein | < 34 | |
Weiblich | ||
Männlich | ||
Literatur
- Fasano A. Zonulin and its regulation of intestinal barrier function: the biological door to inflammation, autoimmunity, and cancer. Physiol Rev 2011;91:151-175
- Fasano A. Zonulin and Its Regulation of Intestinal Barrier Function: The Biological Door to Inflammation, Autoimmunity, and Cancer. Physiol Rev 2011;91:151-175
- Dumitru A et al. Intestinal permeability assessed by serum zonulin in liver cirrhosis: A systematic review and meta-analysis. Medicine 2025;104:16(e42197)
- Lammers KM et al. Gliadin induces an increase in intestinal permeability and zonulin release by binding to the chemokine receptor CXCR3. Gastroenterology 2008;135:194-204
- Stand: